Die Geschichte der Grünen Bezirksfraktion in Eimsbüttel

04.06.1978 BuLi 2 Sitze (SPD 20, CDU 16, FDP 2)
Bezirksamtsleiter Günther Kastenmeyer (bis 1980)

Die Geburt des Grünen Parlamentarismus begann 1977 in Deutschland und in Hamburg lag sie 1978 im Bezirk Eimsbüttel. Im Jahr 1977 schlossen sich in Hamburg verschiedene Bürgerinitiativen zur „BUNTE LISTE/WEHRT EUCH Initiativen für Demokratie und Umweltschutz“, kurz Bunte Liste genannt, zusammen, um für die Bürgerschaft zu kandidieren. Nur in Eimsbüttel kam die BuLi mit 5,2%, 100% Frauenquote und den zwei Abgeordnetinnen Christina Kukielka und Ilona Kiene in die Bezirksversammlung. Auf Antrag der CDU mussten die Stimmen in Eimsbüttel noch mal nachgezählt werden. Es half nichts, die BuLi begründete den damals sehr kritisch betrachteten „Grünen Parlamentarismus“ in der Stadt. Die SPD hatte mit 20 Stimmen keine Mehrheit und regierte mit wechselnden Mehrheiten.

Der Stolzenbergskandal 1979/80 im Bezirk, obwohl nicht von der BuLi aufgedeckt, brachte erste Möglichkeiten zur Profilierung. Ein geradezu unglaublicher Fall von Kompetenzwirrwarr, Kompetenzlosigkeit, Unvermögen und Abhängigkeiten kam ans Licht. Ob Günther Kastenmeyer wegen dieses Skandals gehen musste, ist mir nicht bekannt, jedenfalls wurde 1980 Ingrid Nümann-Seidewinkel Bezirksamtsleiterin und bis 1995 die prägende Frau im Bezirk.

In den Jahren 1980 bis 1981 war das Schröderstift mit seinen knapp 100 Bewohnerinnen das zentrale Thema. 1980 war die städtische Verwaltungsgesellschaft SAGA nicht mehr bereit, die Gebäude zu erhalten. Dies führte dazu, dass es keine neuen Verträge gab und Anfang November in der Tagespresse bekannt gegeben wurde, dass ein Abriss der Gebäude beabsichtigt sei. Der Kerngebietsausschuss Eimsbüttel setzte sich dafür ein, über die Bezirksversammlung und den Senat die SAGA zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Die Grünen unterstützten Demonstrationen und Unterschriftenaktionen. Am 8.2.1981 wurde der Verein Mieterselbstverwaltung Schröderstift e.V. gegründet. Nach einen Umweg über den Senat unterstütze der Bezirk mit DM 869.000,- für die Instandsetzung, Selbstverwaltung und einen 5-Jahresplan das Wohnprojekt. Daraufhin entschied sich der Senat am 13.10.1981 dafür, dem „Modell“ Mieterselbstverwaltung die Gebäude zu überlassen. Noch jahrelang war es ein beliebtes Gesprächsthema, wer welchen Anteil an der Rettung hatte.

1980 begann das Bündnis von Bürgerinitiativen zu zerfallen und ging in die neu gegründeten „Grünen“ und ab 1981 in die „Alternative Liste“ auf.

06.06.1982 GAL 5 Sitze (SPD 16, CDU 17, FDP 2)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995)

„Die Grünen“ und die „Alternative Liste“ traten gemeinsam als Listenbündnis „GAL“ zur Bürgerschaftswahl an. Die GAL kam mit 5 Abgeordnetinnen in die Bezirksversammlung. Auf Landesebene herrschten „Hamburger Verhältnisse“, d.h. keine Partei konnte regieren. Die Tolerierungsgespräche zwischen SPD und GAL auf Landesebene scheiterten.

GAL Biber

19.12.1982 GAL 4 Sitze (SPD 20, CDU 16)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995)

Bei den Neuwahlen verlor die GAL Stimmen und war nur noch mit 4 Abgeordneten in der Bezirksversammlung vertreten.

Der Fraktion gelang ein spektakulärer poltischer Antrag. Zusammen mit der SPD beschlossen sie im Januar 1983, Eimsbüttel zur Atomwaffenfreien Zone zu erklären. Das sorgte damals für internationale Beachtung und kein geringerer als Bundeskanzler Helmut Schmidt kommentierte: „Da müssen die Eimsbütteler dem Marschall Ustinow einen Stadtplan von Hamburg schicken, damit er weiß, wo Eimsbüttel aufhört und wo Harvestehude beginnt.“

Zu der Zeit war ich noch Mitglied der SPD (seit 1981), die ich zum 01.02.1984 verließ, um Mitglied bei den Grünen zu werden.

Um die Mitgliederversammlung von Kleinkram zu entlasten, wurde 1983 der KO (Koordinierungsausschuß) ins Leben gerufen. Er tagte immer Mittwochs von 19:30 bis 22:00 Uhr und fand öffentlich statt. Lange Jahre nahmen alle Anwesenden an den Abstimmungen teil. Die Mitgliederversammlungen fanden monatlich statt, heute unvorstellbar.

Als ich im November 1985 zu den Eimsbütteler Grünen stieß und in der Stadtteilgruppe Eimsbüttel-Nord mit der politischen Arbeit begann, hat mich der KO (gesprochen Ka O) für mein Leben geprägt. Er war das Herz unserer gemeinsamen poltischen Arbeit. Er war immer gut besucht, es wurde engagiert über praktisch jedes Thema diskutiert und die Entscheidungen wurden von allen getragen. Viele Karrieren nahmen dort ihren Anfang. Nie wieder erreichten wir eine solche Breite und Verankerung im links-alternativen Spektrum. Unsere Beliebtheit wurde natürlich auch vom Solifonds getragen. Über den Solifonds wurden unsere gespendeten Aufwandsentschädigungen an Initiativen verteilt.

Der Tagungsraum in der Müggenkampstraße 30a, im Hintergrund das Büro.

Wir Eimsbüttel-Nordler wurden übrigens wegen unseres „zurückhaltenden“ Auftretens auf Landesmitgliederversammlungen später „Elefantentruppe“ gennant und hatten unsere eigene Fahne mit einem Elefanten als Wappentier, gestaltet von der Künstlerin Hille Lüttmer. In der Stadteilgruppe, die sich donnerstags ab 20:00 Uhr in der Müggenkampstraße 30a traf und deren satirische Protokolle beliebt waren, blieb ich bis Februar 1989.

12. Wahl vom 9. November 1986 GAL 6 Sitze (SPD 15, CDU 17, FDP 2)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995)
Fraktionsvorsitzende Agnes Knackmuss (GAL), Claus Müller (SPD)

Meine erste Legislaturperiode beginnt am 14.11.1986. Es kommt zu den ersten Rot-Grünen Vereinbarungen zur Wahl der Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel. Die „Realos“ um Alexander Porschke wollten Eimsbüttel zum Vorbild für die Sondierungsgespräche auf Landesebene zwischen SPD und GAL machen. Bürgermeister Klaus von Dohnanyi plagte sich mit den zweiten „Hamburger Verhältnissen“ herum und ließ sich von uns nicht beeindrucken. Auch die Wahl verlief anders als geplant, es wurden drei Wahlgänge benötigt, um die Bezirksamtsleiterin zu wählen. Die Wahl wurde von der CDU angefochten und musste im Januar wiederholt werden. Ich hatte mich als „Fundi“ in der „Hamburger Rundschau“ kritisch zur Wahl geäußert,  wurde vom KO zu einer Gegendarstellung gezwungen und stand deshalb in Verdacht, die eine fehlende Stimme gewesen zu sein. Die fehlende Stimme stammte mutmaßlich von Peter Rickers (SPD). Die GALier konnten dank senkrechter Kreuze „beweisen“, dass sie sich vollzählig in allen Wahlgängen an die Vereinbarung gehalten hatten. Peter Rickers, ehemaliger Chefredakteur der Hamburger Morgenpost, verlor bei der Wahlwiederholung 1987 sein Mandat und wurde trotz seiner damaligen Antiphathie gegen Rot-Grün ein ganz enger politischer Freund von mir. Bei seiner Trauerfeier 2012 im Stellinger Ortsamt hielt ich die Trauerrede. 2017 wurde in Stellingen ein Weg nach ihm benannt.

Gegenstand der Verhandlungen war unter anderem der Erhalt des Bauspielplatz im Schanzenviertel in der Bartelsstraße 67, der dem benachbarten Autohaus weichen sollte. Wir konnten nicht nur den Erhalt heraushandeln, auch der Neubau des Spielplatzhauses wurde als Kompensation für den Raumverlust vereinbart.

Das erste McDonald’s Restaurant mit McDrive in Hamburg wurde in der Kollaustraße 25 in Lokstedt errichtet. Es gelang uns den Bau dieses Fastfoodtempels um ganze 6 Monate zu verzögern, weil unser Afa-Mitglied Ulrich McGinley herausfand, dass ein McDrive in der Bauordnung nicht vorgesehen war.

13. Wahl vom 17. Mai 1987 GAL 5 Sitze (SPD 16, CDU 16, FDP 3)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995)
Fraktionsvorsitzende Agnes Knackmuss (GAL), Claus Müller (SPD)

1987 fand das letzte „Fest wider dem Elch“ der GAL auf der Wiese  am Wunderbrunnen in Schnelsen statt. Erst 1989 konnte Ikea dann das erste schwedische Möbelhaus im Hamburger Stadtgebiet eröffnen.

Kampf gegen Ikea 1987

Das Jahr stand im Zeichen der Hafenstraße. Vor dem Hintergrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen auf der Hafenstraßendemo am 20. Dezember 1986 wird der „Initiativkreis für den Erhalt der Hafenstraße“ unter Mithilfe der Eimsbütteler GAL gegründet. Das Interesse war beiderseitig, wir wollten ein Abgleiten in den Terrorismus verhindern und die BesetzerInnen suchten Unterstützung im linkspolitischem Spektrum. Zahlreiche Aktionen wurden von uns organisiert und über den Solifonds finanziert. Wir meldeten Demos an, organisierten Lautsprecherwagen und die Filmwoche im Juli 1987 auf der Balduintreppe. Sammelten unentwegt Spenden durch kiloweises backen von „Hafenstraßenwaffeln“ auf diversen Stadtteilfesten. Wir bauten sogar eine CB-Funkanlage zur Landesgeschäftsstelle in der Bartelsstraße ein. Die Telefonate deswegen wurden von der Polizei abgehört und waren später Gegenstand von parlamentarischen Untersuchungen. Unvergessen bleibt für mich das Feilen an Flugblatttexten auf dem Hafenstraßen-Plenum in der Volxküche. Bei über 50 Leuten fand sich immer jemand, die am Text noch etwas zu ändern wünschte. Da das Konsensprinzip galt, fanden diese Diskussionen um Nichts kein Ende. Bis heute schätze ich deswegen parlamentarische Debatten.

Die CB-Funkgeräte der Eimsbütteler GAL und das Gigafon kamen noch jahrelang auf zahlreichen Demos in Hamburg zum Einsatz. Einmal wurde ein ganzer Satz der teuren Funkgeräte aus meinem R4 gestohlen und musste kurzfristig neu beschafft werden.

Filmwoche auf der Balduintreppe der Hafenstraße, Juli 1987

Ein besonderes Anliegen der Eimsbütteler Grünen war ein angemessenes Gedenken an die Gräueltaten der faschistischen Diktatur im Bezirk Eimsbüttel. 1988 vermittelten wir die Benennung des  Josef-Carlebach-Platz, brachten die Gedenktafel am Ortsamt Stellingen an, benannten den Antonie-Möbis-Weg (KPD) und ließen den „Kampfbahn Stellingen“ Schriftzug entfernen. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahlen von Aussiedlern und Spätaussiedlern sowie Übersiedler aus den Staaten des Warschauer Pakts, stieg die Zahl der Angriffe auf sie. Für die in Eimsbüttel schnell erbauten Heime organisierten wir die Summe von 50.000 EUR aus Sondermitteln für die ehrenamtlichen HelferInnen.

Im Jahr 1989 wurde durch uns das Wohnprojekt Kleiner Schäferkamp 46 politisch betreut. Auch hier haben wir das Schäferkampfest im Juni angemeldet und organisiert und am Ende für die Durchsetzung gesorgt. Heute befindet sich der Infoladen Schwarzmarkt in dem Projekt.

Am 01.06.1989 hatte ich meine letzte BV und rotierte das einzige Mal aus der Bezirksversammlung heraus, wie es die damaligen Regeln der GAL vorsahen. Im April ging ich in den Regionalschuss Stellingen, in dem ich bis 2010 blieb, im Mai zog ich nach Stellingen.

In der Nacht zum 11.03.1989 wurde mein Auto an der Hoheluftbrücke gezielt zerstört. Das Stand in einer ganzen Reihe von Angriffen auf mich, die sich von zahlreichen anonymen Anrufen bis zu schriftlichen Morddrohungen und Anschlägen auf mein Haus im März 1991 und noch einmal 1995 steigerten. Zwei Mal ermittelte der Staatsschutz. Selbst wenn persönliche Motive wie Eifersucht ursächlich für die Anschläge waren, machten sie mir Angst und prägten mein Verhältnis zu Öffentlichkeit.

14. Wahl vom 2. Juni 1991 GAL 5 Sitze (SPD 19, CDU 14, FDP 2)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995)
Fraktionsvorsitzende Cornelia Kost (GAL), Jan Jalass (SPD)

Als Spitzenkandidatin wurde ich in meiner zweiten Runde in der Bezirksversammlung Fraktionvorsitzende. Bei den durch Markus E. Wegner, dem Gründer der STATT Partei, erzwungenen Neuwahlen 1993 blieb ich beides. Wegner lernte ich im November 1992 auf einer Anhörung im Kaifu-Gymnasium zur späteren Drogenberatungsstelle „Café Drey“ kennen. Die in Containern an Land eingerichtete und völlig unauffällig betriebene Beratungsstelle erregte als „Drogenschiff“ den Volkszorn. Wegner behauptete lautstark, das Schiff sei schon beschlossene Sache. Die Fraktionsvorsitzenden Lorna Doelken (FDP), Olaf Ohlsen (CDU),  Jan und ich saßen mit Ingrid Nümann-Seidewinkel auf dem Podium und wir trauten uns angesichts von 500 wütenden Bürgerinnen nicht, auch nur ein einziges Wort zu sagen. Nur die Bezirksamtsleiterin kämpfte und das war mir eine Lehre. Als wir den Beschluss auf der Bezirksversammlung am 28.01.1993 im Hamburg Haus fassten, wieder vor wütenden Leuten, hielt ich die erste Rede.

Mit der Rettung des Langeloh-Hofes in der Eidelstedter Feldmark gelang es uns 1992, das dritte größere Wohnprojekt zu etablieren. Wir konnten ein historisch wertvolles Gebäude in Eidelstedt erhalten. Das Wohnprojekt Zeitlos e.V. nutzt das Haus und Fördern und Wohnen betreibt dort eine Wohnunterkunft für obdachlose Frauen.

Die SPD regierte mit wechselnden Mehrheiten. In Hinblick auf die letzte Wahl von Ingrid Nümann-Seidewinkel am 28.01.1993 wurden die zweiten Rot-Grünen Bündnisverhandlungen aufgenommen. Am 20.01.1993 beschlossen GAL und SPD gemeinsame Vereinbarungen für eine punktuelle Zusammenarbeit in Sachfragen. Es war faktisch eine Tolerierung, die dem damaligen Verhältnis der Parteien entsprach.

15. Wahl vom 19. September 1993 GAL 10 Sitze (SPD 17, CDU 11, STATT 2)
Bezirksamtsleiterin Ingrid Nümann-Seidewinkel (1980 bis 1995), Konrad Stege (1995 bis 1996), Jürgen „Eddy“ Mantell (1996 bis 2010)
Fraktionsvorsitzende Cornelia Kost, Solange Lipprandt (GAL), Jan Jalass (SPD)

Die Vereinbarung blieb nach der Wahl in Kraft. Die SPD brach die Vereinbarung von 1993 am 21.04.1994 wegen unseres Antrages zur Sperrung des Niendorfer Geheges. Dieser Streit war völlig überflüssig, da die zuständige örtliche Straßenverkehrsbehörde dem Anliegen niemals gefolgt wäre. Die Grünen beendeten ohne MV-Beschluss und mit Mehrheit in der Fraktion gegen meinen Willen die Zusammenarbeit, deshalb gab es später viel Ärger in der Partei. Das Klima zwischen GAL und SPD war dann lange Zeit vergiftet. Dazu beigetragen hat auch Ende 1994 die Abwahl von Werner Huppertz (SPD) als Stellinger Ortsausschussvorsitzenden, was wir zusammen mit der CDU organisierten. Werner Huppertz galt als erklärter Gegner der rot-grünen Zusammenarbeit und beendete danach faktisch seine politische Karriere.

Vor allem wegen meiner beruflichen Belastung habe ich 1995 mein Mandat niedergelegt.

Von 1995 bis 1996 war der Verwaltungschef Konrad Stege kommissarischer Bezirksamtsleiter und der Senat musste 1996  Jürgen „Eddy“ Mantell (blieb bis 2010) einsetzen, weil sich auch mit der CDU keine Mehrheit fand.

Am 27. Dezember 1996 erteilte das Bezirksamt Eimsbüttel die Baugenehmigung für den Umbau des Sternschanzenturms in ein Hotel für den Investor Patrizia AG.

16. Wahl vom 21. September 1997 GRÜNE 11 Sitze (SPD 16, CDU 14)
Bezirksamtsleiter Jürgen „Eddy“ Mantell (1996 bis 2010)
Fraktionsvorsitzende Solange Lipprandt (GAL), Jan Jalass und Kay Gätgens (SPD)

Im Jahr 1997 wurde 650 Jahre Stellingen unter der Leitung des letzten Stellinger Ortsamtsleiters Gerhard Kruse gefeiert. Alle Vereine und Initiativen beteiligten sich. Wir wollten damit die Menschen für ihren Stadtteil interessieren, der den Ruf eines „Schlafstadtteils“ hat. An der Kieler Straße wurde der erste Bürgertreff Stellingen etabliert, bis heute Hamburgs kleinstes Bürgerhaus.

Am 28.1.1998 wurde die dritte rot-grüne Zusammenarbeit und heute noch bestehende Koalition begründet. Die hatte eine harte Bewährungsprobe im Jahr 1999 zu bestehen.  Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell wollte eine Bezirksreform durchführen und die Außengebiete zu Lasten Stellingens zusammen legen. Die Stellinger Fraktionen von GAL und SPD verbündeten sich mit der oppositionellen CDU und allen Vereinen im Stadtteil gegen die Bezirkskoaltion. Dank guter Beziehungen zur Polizeiwache konnten wir mit Feuerwehr und dem damals noch existierenden Spielmannszug auf die Kreuzung Kieler Straße/Sportplatzring demonstrieren. Der Verkehr wurde auf Europas verkehrsreichster Kreuzung mutmaßlich bis zum Hamburger Rathaus gestaut. Es kam zu einer hart umkämpften MV, auf der sich die Gegner der Reform knapp durchsetzten. Tatsächlich konnten wir den Erhalt des Stellinger Ortsamtes erreichen. Seitdem haben wir bis heute in Stellingen traditionell gute Beziehungen zur CDU. Die war es auch, die in ihrer Regierungszeit im Senat die Bezirksreform durchsetzte und das von unseren Vorgängern teuer erbaute Rathaus verkaufte.

17. Wahl vom 23. September 2001 Grüne 6 Sitze (SPD 16, CDU 12, Schill 7)
Bezirksamtsleiter Jürgen „Eddy“ Mantell (1996 bis 2010)
Fraktionsvorsitzender Horst Becker (GAL), Rüdiger Rust (SPD)

Im Jahr 2003 entwickelten wir den Bürgerpreis Stellingen, eigens dafür wurde Nadeln aus Silber hergestellt und jahrelang auf der Weihnachtssitzung verliehen. Der Bezirk machte sich die Idee zu eigen und nach meinem Ausscheiden 2010 aus dem Regionalausschuss ging die Preisverleihung endgültig an den Bezirk über.

18. Wahl vom 29. Februar 2004 Grüne 9 Sitze (SPD 13, CDU 19)
Bezirksamtsleiter Jürgen „Eddy“ Mantell (1996 bis 2010)
Fraktionsvorsitzender Horst Becker (GAL), Rüdiger Rust (SPD)

In diesem Jahr wurde ich zum dritten Mal in die Bezirksversammlung gewählt und hatte gleich mit einem schwierigen Thema zu tun. Im Jahr 2004 eskalierte der Streit im Kleingartenverein Sandkuhle über diverse Anbauten. Die zum Teil aus der Nachkriegszeit stammenden Gebäude waren nicht rechtssicher erbaut worden und natürlich mit heutigen Bauvorschriften nicht vereinbar. Vor allem die Feuersicherheit machte allen Beteiligten große Sorgen. Das Bezirksamt konnte die Situation schließlich nicht mehr ignorieren, da sich die Bewohner gegenseitig anzeigten. Es ergingen Abrissbescheide, die wir in mühevollen Verhandlungen in Auswohnen ändern konnten. Damit konnten zwar die Gebäude nicht vererbt werden, aber die Eigentümer hatten lebenslanges Bleiberecht.

Die Bezirksversammlung setzte sich für den Erhalt der Drogenhilfeeinrichtungen Fixstern und Palette II ein.

2005 wurde der zweite Weg nach einer Frau im Widerstand benannt, den Anne-Barth-Weg. Sie stand wegen der Unterstützung der Kriegsdienstverweigerung ihres Mannes als Zeugin Jehova vor dem Altonaer Blutgericht.

Da die Stelle der Ortsamtsleiter eingespart wurden, wollten wir 2006 einen Bürgervorsteher Modellversuch in Stellingen starten, scheiterten aber mit dem Anliegen. Am Ende wurde ein Regionalbeaustragter eingesetzt.

Am 11. September 2003 beschloss Mövenpick Hotel & Resorts, den Wasserturm in der Sternschanze in ein Vier-Sterne-Messehotel umzubauen. Ab 11. Januar 2005 begann der Umbau unter Polizeischutz und wurde nach zweieinhalbjähriger Bauzeit 2007 als Mövenpick Hotel Hamburg beendet. Der Streit darum spielte sich in Eimsbüttel ab. Das Ende war unbefriedigend, zwar blieb das Wahrzeichen erhalten aber sorgte später für jahrelange Auseinandersetzungen. Das Schanzenviertel wurde 2008 dem Bezirk Altona zugeschlagen, obwohl die Bezirksversammlungen Hamburg-Mitte und Eimsbüttel 2006 gegen die damit verbundene Verkleinerung ihres Gebiets stimmten. 2008 haben Horst Becker und Rüdiger Rust im Wasserturm-Hotel die Pressekonferenz zu 10 Jahren Rot-Grün gemacht.

19. Wahl vom 24. Februar 2008 Grüne 10 Sitze (SPD 15, CDU 19, Linke 4, FDP 3)
Bezirksamtsleiter Jürgen „Eddy“ Mantell (1996 bis 2010), Torsten Sevecke (2010 bis 2016)
Fraktionsvorsitzende Susanne Egbers (GAL), Rüdiger Rust (SPD)

Nachdem ich stellvertretende Fraktionsvorsitzende in dieser Legislaturperiode wurde, legte ich 2010 alle meine Mandate nieder.  Wieder wegen der beruflichen Belastung. Nach 24 Jahren ununterbrochener ehrenamtlicher Arbeit für meinen Heimatbezirk Eimsbüttel brauchte ich ein Jahr parlamentarische Pause.

Im Juni 2010 beschloss die BV dann ohne mich die Ansiedlung von Möbel Höffner in Eidelstedt. Darum hatte es jahrelang Streit gegeben. Eine Bürgerinitiative und wir Eidelstedter hatten bis zum Schluss gekämpft. Der Unternehmer Kurt Krieger war mehrfach vor Ort, sogar im GAL Büro, und war nicht zu überzeugen, dass seine Sorgen überflüssig waren, weil es keine Handhabe gab, seinen Bau zu verhindern. Er war auch nicht davon zu überzeugen, dass im kaufkraftschwachen Eidelstedt und mit der Nähe zu Ikea, dieser Markt überdimensioniert war und sich schädigend auf die Wohnmeile Halstenbek und dem Eidelstedt Center auswirken würde. Schon 2011 wurde Möbel Höffner eröffnet.

20. Wahl vom 20.02.2011 Grüne 10 Sitze (SPD 23, CDU 12, Linke 3, FDP 3)
Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (2010 bis 2016)
Fraktionsvorsitzende Roland Seidlitz (GAL), Rüdiger Rust (SPD)

Als stellvertrendes Mitglied im Haushaltsausschuss, dem ich jahrelang als Fraktionssprecherin angehört hatte, nahm ich vorsichtig meine parlamentarische Arbeit wieder auf. In dieser Zeit konnte noch kurz vor Peter Rickers Tod, die Finanzierung für das Bürgerhaus Stellingen als Altentreff organisiert werden. Da die Zuwendungen professionell abgearbeitet werden mussten, ging ich 2012 in den Vorstand als „1. Kassiererin“.

21. Wahl vom  25.05.2014 Grüne 12 Sitze (SPD 18, CDU 12, Linke 5, FDP 2, AfD 2)
Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (2010 bis 2016), Kay Gätgens (seit 2016)
Fraktionsvorsitzende Volker Bulla, Lisa Kern (Grüne), Rüdiger Rust (SPD)

Nach dieser Wahl setzte ich meine Arbeit im Regionalausschuss Stellingen, diesmal als Vorsitzende, fort. Für mich war das die Krönung meiner kommunalpolitischen Arbeit seit 1986. Zu meiner Überraschung kam ich im Juni 2016, durch den Tod von Volker Bulla, auf dessen Platz zum vierten Mal in die Bezirksversammlung.

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