Dysphorie Survival Guide

Obwohl es heute möglich ist, wird vielen von uns erst spät geholfen und wir müssen eine falsche Pubertät beenden. Zu den lebenslangen Folgen gehören Dysphorien. Sie beziehen sich auf Körpergröße und –proportionen, Gesicht, Haare und Stimme. Wobei das Passing dabei offensichtlich keine Rolle spielt.  Der Dysphorie Suvival Guide ist von Betroffenen für Betroffene geschrieben worden.

Egal für welchen Weg Du Dich mit Deiner Tagesform entscheidest, Du  machst es richtig und Du bist richtig.

Schnelle Hilfe

Von vielen wurde als enorm hilfreich beschrieben, zu schauen, ob cis Menschen trans Passing haben.

Realismus

  1. Radikale Akzeptanz von trans, es ist jetzt wie es ist, einfach akzeptieren, dass man trans ist. Stolz auf sich sein. Sich entscheiden, dass man eben so ist.
  2. Realistisch sein: „kann aus einem Ackergaul kein Rennpferd machen“. Keine falschen Hoffnungen machen. Keinem vermeintlichen Ideal verschreiben. Nicht irgendwelchen (medialen) Idealen hinterher hecheln. Mit den Grenzen des Machbaren auseinander setzen und mit unrealistischen Frauen- und Männerbildern. Wird mit der Zeit besser, wenn auch nie perfekt.
  3. Sehr rational an die Transition herangehen.
  4. „Sagen: mir geht es gut, ich werde anerkannt Humor, ich lache gerne und viel, und ich Scherze auch über mich.“
  5. Es bleibt nicht ewig so. Die Gewissheit, dass die Hormone und OPs bald kommen. Jetzt wird alles anders. Ich kann es ändern. Ich kann mehr dafür tun, meinen Körper an mein Inneres an zu passen. Es dauert noch, ja, aber es wird kommen und dann bin ich vollständig.
  6. Wie „ein Fahrrad essen“ – alles in ganz kleine Teile bringen.
  7. Mit jedem Schritt der sich getan hat, war klar, es wird sich ändern.
  8. Tagesform abhängig, es gibt Phasen, wo es egal ist.
  9. „Meistens ist Dysphorie ein 1-bis-2-Tages-Ding, da ist sie zwar relativ durchgehend, aber ich lasse es dann einfach raus, fühle mich dann halt scheiße, aber nach den 2 Tagen wird’s besser. Das Gefühl ist da, ich halte es aber nicht fest, es klingt auch wieder ab.“
  10. „Aber es ist wie es ist und ich lebe meine Jahre, die ich noch habe, so gut es geht. Es ist alles im allen so viel besser, als es die letzte 40 Jahre war. Rückblicken, vergleichen zu früher – schon ist der Punkt bei mir wieder positiv, weil ich eben das lebe, was ich immer gefühlt habe.“
  11. „Nicht mehr von der Dysphorie kontrollieren zu lassen. Sie geht dadurch nicht weg, aber ihre Stimme wird leiser und ist so erträglicher. Es gibt so viele Menschen, die über mich bestimmen in meiner Transition und dies ist ein Punkt, den ich selber in der Hand habe.“

Eigenwahrnehmung

  1. Trans als attraktiv wahrnehmen.
  2. Spiegelübungen (nakt, jeden Tag 30 Minuten) und den den Körper objektiv beschreiben lernen (geschlechtliche Konnotierungen weglassen). Sich im Spiegel anschauen, dafür Zeit nehmen und das wirkliche „ich“ heraus sehen. Jeden Tag nach der Arbeit machen und versuchen sich selbst zu mögen, es klappt.
  3. An guten Tagen Fotos von sich machen, schnell Selfies machen. Fotos angucken, auf denen man gut ausschaut.
  4. Wahrnehmung konzentrieren auf nicht dysphorische Körperregionen, also nur auf die Regionen, mit denen man sich wohl fühlt. Das immer wieder gewissenhaft üben.
  5. Nicht auf die Regionen schauen, die man „nicht mag“. Übersehen, hinweggesehen, nicht den Raum gegeben, die noch nicht passenden Körperteile ignorieren. Die Aufmerksamkeit umlenken, von dem was sich unangenehm anfühlt, den unpassenden Rest.
  6. An den schlimmen Tagen auf keinen Fall Selfies machen oder in den Spiegel schauen! 
  7. Die starke Persönlichkeit und innere Stärke, diesen Weg überhaupt erst zu gehen, wahrnehmen.
  8. „Ich lebe jeden Tag mein Leben, genieße es und mache mir keine Gedanken.“

Fremdwahrnehmung

  1. Lernen, dass die Wahrnehmung durch die Gesellschaft und die Prägung durch diese, alles sehr eng sieht und kategorisiert.
  2. Sich distanzieren von den Erwartungen des Umfeldes.
  3. Sich entscheiden, gegen die Normen und Erwartungen von Außen vorzugehen.
  4. Körper sind eine Ansammlung von Variationen und verschiedenen Ausprägungen.
  5. Nicht die Kombination aus Körperteil x + Hormone x + Gene x macht das Geschlecht aus, nicht die Zuschreibung eines Geschlechts von außen und nem Haufen von Erwartungen, die daran geknüpft sind.
  6. „Mir ist es einfach egal, was andere denken. Ich mach mir auch nicht all zu viele Gedanken darüber, wie andere mich sehen.“
  7. „Notfall Kleidung“ also ein Outfit in dem man sich weiblich genug fühlt um die Dysphorie zu bändigen, aber gleichzeitig sicher genug, um den Alltag zu meistern.
  8. Keine verzerrten Schönheitsideale haben.
  9. Passing halten durch lange Haare und für sich selber ein weibliches Bild haben.
  10. Lieber Kleider / Röcke tragen, sich schminken.
  11. Wenn Glück mit dem Passing, dankbar dafür sein. Passing tut gut.

Outing

  1. Sich als trans öffentlich kenntlich machen.
  2. Dem Umfeld keine Möglichkeit für Fremdinterpretation lassen. Kollegen und die meisten Bekannten informieren.
  3. Kein Geheimnis daraus machen.
  4. Den Menschen das Thema näher bringen, wenn sie sich dafür interessieren und ganz offen sein.
  5. Vor dem Coming-Out Kommunikationsstrategie festlegen und diese stringent durchziehen.

Unterstützung von außen

  1. Aktivismus.
  2. Mit Leuten reden, denen es ähnlich geht. Sich mit anderen trans Menschen treffen, die geben Sicherheits- und Verständnisgefühl.
  3. Einen Freund haben, der selber trans ist.
  4. Beziehung haben.
  5. Wunderbare Mutter haben.
  6. Viele wunderbare Freunde haben, die unterstützen und denen es egal ist, was man ist.
  7. Anderen Menschen vom eigen Weg erzählen, mit anderen austauschen.
  8. Psychotherapie machen.

Körperveränderungen

  1. Zügige Angleichung.
  2. Operativ: FFS, Brustvergößerung usw.
  3. Zusätzliche Portion Hormone.

Praktische Hilfen

  1. Beim Duschen/Baden ein Hörbuch hören.
  2. Mit dem Hund vor die Tür und bewegen.
  3. Partymusik anmachen und alleine durch die Wohnung tanzen.
  4. Sport machen.
  5. Lieblingskleidung anziehen.
  6. Lieblingsessen kochen.
  7. Etwas unternehmen, woran man sich erinnert.
  8. Sich Gutes tun und sich nicht in dieses Gefühl fallen lassen.
  9. Dinge machen, auf die man sich konzentrieren muss, wie Podcasts, YT-Videos, Hörbücher.
  10. Mit anderen zusammen beim Essen Musik hören oder Fernsehen.
  11. Die App DBT112 kostenlos laden, es geht darin um Ablenkung, Wohlbefinden und um diese Phasen zu überstehen, wenn es schlimm wird.
  12. Happy Box: eine hübsche Box, in der man alles rein steckt, was man mag. Wenn es bergab geht, bediene man sich daraus, um dem entgegen zu wirken.
  13. Achtsamkeitsübungen
  14. Imaginationsübungen
  15. Feldenkrais.

Begriffe

In den kommenden Diagnoseschlüssel werden die Begriffe im DSM 5: Geschlechtsdysphorie und im ICD11: Geschlechtsinkongruenz verwendet. Im diagnostischen Kontext wird Geschlechtsinkongruenz definiert als: Wenn das Geschlechtsidentitätserleben nicht mit den Geschlechtsmerkmalen des Körpers übereinstimmt. Geschlechtsdysphorie wir definiert als: Leid empfinden unter der Geschlechtsinkongruenz. In den Diagnoseschlüsseln ist es bisher wie folgt benutzt worden: DSM 4: Geschlechtsidentitätsstörung und im ICD10: Transsexualismus.