In diesem Interview spricht der Miki Herrlein über seine Arbeit und die geschlechtliche Identitätsfindung von trans Männern. Herrlein organisierte in Kooperation mit „Mein Testgelände“ sowie dem Schauspieler Brix Schaumburg Workshops zur Performance von Männlichkeiten. Diese richten sich an Personen, die nicht männlich sozialisiert wurden, aber ihre männliche Wirkung im Alltag reflektieren und einüben möchten.
Ein zentraler Aspekt des Gesprächs ist das Erlernen männlicher Verhaltens-Codes, die in der Sozialisation oft fehlen, wie etwa die Etikette beim Toilettengang oder bestimmte Bewegungsabläufe beim Begrüßen. Miki Herrlein betont dabei die Wichtigkeit von Reflexionsräumen, um sich bewusst mit Männlichkeitsstereotypen auseinanderzusetzen, statt diese lediglich ungeprüft zu replizieren.
Zudem wird das Phänomen der sogenannten „Girly-Phase“ thematisiert, in der trans Männer nach der Transition beginnen, feminine Anteile neu zu entdecken oder klassische Rollenbilder zu dekonstruieren. Miki Herrlein sieht hierin eine Parallele zur allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, in der die Vielfalt männlicher Ausdrucksformen zunimmt. Abschließend äußert Herrlein die Vision einer Welt, in der binäre Spektren und Labels ihre Bedeutung verlieren und Menschen frei von starren Codierungen existieren können.