28. Sendung am 30.05.2026
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Teaser
Von medizinischer Leitlinie bis globalem Aktivismus: Die Sendung beleuchtet aktuelle Kämpfe von trans Menschen um Selbstbestimmung und Menschenrechte. Privatdozentin Dr. Livia Prüll, Medizinhistorikerin und dgti‑Vertreterin, spricht über die trans‑affirmative S3‑Leitlinie. Julia Ehrt, Geschäftsführerin von ILGA World, berichtet über weltweite Kriminalisierung. Die AG Trans der Autonomen Hamburger Frauenhäuser thematisiert Schutzräume und Diana Gläser, Bundesvorsitzende von VelsPol Deutschland, über Hasskriminalität und staatliche Verantwortung.
In diesem Interview spricht die Medizinerin und Medizinhistorikerin Privatdozentin Dr. Livia Prüll über ihre Arbeit an der neuen medizinischen S3-Leitlinie zur Gesundheitsversorgung von trans Personen. Als Vertreterin der dgti e.V. leitete sie die „Arbeitsgruppe Haltung“, deren Ziel es ist, die medizinische Begegnung mit trans Menschen auf Augenhöhe zu gestalten und weg von einer rein pathologisierenden Sichtweise zu führen. Prüll betont, dass eine trans-affirmative Grundhaltung entscheidend ist, um individuelle Bedürfnisse in Diagnostik und Therapie angemessen zu berücksichtigen. Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die notwendige Verankerung ethischer Aspekte in der medizinischen Lehre und Praxis, um bestehende Barrieren abzubauen. Sie stellt fest, dass die Gesellschaft zwar moderner wird, aber die Selbstbestimmung über den eigenen Körper weiterhin ein wichtiges Entwicklungsfeld bleibt. Das Gespräch verdeutlicht die Relevanz wissenschaftlicher und aktivistischer Arbeit für eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung.
Weitere Informationen zu ihrer Arbeit und den Organisationen findest du hier:
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Persönliche Webseite: https://www.livia-pruell.de

In diesem Interview spricht Julia Ehrt, die Geschäftsführerin von ILGA World, über die weltweite Situation und Vernetzung der LSBTIQ*-Bewegung. ILGA World fungiert dabei als globaler Dachverband für über 2.000 Mitgliedsorganisationen in mehr als 170 Ländern und setzt sich für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans- und Inter-Personen ein.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist das Monitoring von Gewalt und Diskriminierung. Während Organisationen wie Transgender Europe (TGEU) spezifisch Morde an Trans-Menschen weltweit erfassen, konzentriert sich ILGA World auf das Legal Monitoring, also die Beobachtung von Kriminalisierung und rechtlichen Rahmenbedingungen weltweit. Julia Ehrt weist darauf hin, dass die erfassten Zahlen zur Gewalt oft nur die „Spitze des Eisbergs“ darstellen und die tatsächliche Kriminalisierung vermutlich weit höher liegt.
Zudem problematisiert Ehrt die Sichtbarkeit und Kontinuität innerhalb der Trans-Bewegung. Viele Trans-Personen engagieren sich nur während ihrer eigenen Transition aktivistisch und ziehen sich danach oft in eine schützende Unauffälligkeit zurück, da Sichtbarkeit im Alltag häufig mit Diskriminierungserfahrungen verbunden ist. Das Interview beleuchtet die Notwendigkeit einer starken, dauerhaften Vernetzung, um den aktuellen gesellschaftlichen Rückschritten („Backlash“) entgegenzuwirken und die erreichten Rechte der gesamten queeren Gemeinschaft global zu verteidigen.
Weitere Informationen findest du hier:
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ILGA World: https://ilga.org
In diesem Interview wird über die Arbeit der AG Trans der Autonomen Hamburger Frauenhäuser gesprochen. Die AG wurde um das Jahr 2014 ins Leben gerufen und setzt sich intern für Geschlechterdiversität in Frauenhäusern sowie extern für die Vernetzung und Sichtbarkeit von trans Frauen in diesen Schutzeinrichtungen ein.
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist der in Hamburg geltende Minimalkonsens: Dieser besagt, dass alle Personen aufgenommen werden, die sich mit dem Frau-Sein identifizieren – und zwar völlig unabhängig von ihrem Personenstand, ihrem Ausweis oder ihrem äußeren Erscheinungsbild. Die Referentinnen stellen klar, dass die Aufnahme von trans Frauen in Hamburg bereits gelebte Praxis ist und die reale Situation der akademischen Debatte oft vorausging. Obwohl trans Frauen in hohem Maße von Gewalt betroffen sind, sind sie in der Klientelstatistik der Frauenhäuser bisher eher unterrepräsentiert, weshalb die AG Trans gezielte Aufklärungsarbeit leistet, um den Zugang zu erleichtern.
Thematisiert wird auch die bundesweite Situation, in der oft noch Unsicherheiten oder Generationenkonflikte bezüglich der Öffnung von Frauenhäusern für trans Personen bestehen. Die Referentinnen entkräften dabei Befürchtungen, dass die Aufnahme von trans Frauen zu Lasten von cis Frauen gehe. Stattdessen wird betont, dass Hausordnungen diskriminierendes Verhalten sanktionieren: Sollte eine Situation für eine diskriminierte Person im Haus nicht mehr sicher sein, wird konsequenterweise die diskriminierende Person des Hauses verwiesen, um den Schutzraum für alle zu wahren.
Weitere Informationen findest du hier:
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Autonome Hamburger Frauenhäuser: https://www.hamburger-frauenhaeuser.de
In diesem Interview spricht Diana Gläser, die Bundesvorsitzende von VelsPol Deutschland, einem queeren Mitarbeitenden-Netzwerk in Polizei, Justiz und Zoll. Gläser ist ein bekanntes Gesicht des queeren Aktivismus in Deutschland und setzt sich insbesondere für die Bekämpfung queerfeindlicher Hasskriminalität sowie für den Vertrauensaufbau zwischen der LSBTIQ*-Community und der Polizei ein.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die historische und fortwährende Diskriminierung von queeren Menschen durch staatliche Behörden. Gläser verweist dabei nicht nur auf den Paragraphen 175, sondern auch auf das oft verschwiegene Leid lesbischer Frauen, denen in der Bundesrepublik systematisch das Sorgerecht entzogen wurde. Sie betont, dass diese Geschichte der Unterdrückung bis heute nachhallt und in vielen Behörden, einschließlich der Polizei, noch nicht ausreichend aufgearbeitet wurde.
Ein aktueller Schwerpunkt des Interviews ist der massive Hass im Netz, insbesondere auf der Plattform X (ehemals Twitter). Diana Gläser berichtet von gezielten, viral gehenden Angriffen gegen ihre Person und kritisiert, dass die Plattform oft wie ein „gesetzesfreier Raum“ fungiere, in dem die deutsche Polizei kaum Handhabe habe. Trotz dieser Belastungen sieht sie sich als „Schutzschild“ für andere Mitglieder der Community, die weniger Ressourcen zur Gegenwehr haben. Sie berichtet zudem von Versuchen aus der rechten Szene, sie durch Dienstaufsichtsbeschwerden beruflich zu diskreditieren, was jedoch dank sachlicher und rechtlicher Prüfung bisher erfolglos blieb. Abschließend fordert sie dringende rechtliche Nachbesserungen durch den Gesetzgeber, um der Gewalt und dem Hass im Internet wirksamer begegnen zu können.
Weitere Informationen findest du hier:
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VelsPol Deutschland: https://www.velspol.de
Musik:
TX2 – Randy McNally (No Love Like Christian Hate)
Lara Hulo – Kopf gegen die Wand
Podcast Empfehlung:
Hauptsache nicht Anke – die trans Edition vom PINK Channel
jeden 5. Samstag im Monat, 19:00 bis 20:00 Uhr, kontakt@trans-radio.de
TIDE, 96.0 UKW, 95,45 Kabel, DAB+ und www.tidenet.de/radio
Podcast: https://t1p.de/mixcloudtrans + https://t1p.de/transedition + https://t1p.de/anderetransradios
Credits: Opening und Jingles Saskia Lavaux, Ending Divine „Shoot your Shout“