Hauptsache nicht Anke 27 – S3 Leitlinie und Dutch Protocol

Hauptsache nicht Anke - die trans Edition vom Pink Channel Hamburg
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Hauptsache nicht Anke 27 - S3 Leitlinie und Dutch Protocol
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27. Sendung am 31.01.2026
Die ganze Sendung mit Songs ist bei Mixcloud online zu hören.
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Interviews mit Samuel, Julian und Daniel; Patricia; Prof. Dr. phil. Bernhard Strauß und Dr. Michael A. A. van Trotsenburg. Das Trans Radio berichtet über die Neugründung des Vereins Trans*Hafen Hamburg im Gespräch mit den Vorständen Samuel, Julian und Daniel. Weitere Themen sind das Gedenken an den Aktivisten Alik mit Patricia sowie medizinische Fachbeiträge: Prof. Dr. Bernhard Strauß referiert über die S3 Leitlinie und Dr. Michael van Trotsenburg erläutert internationale Standards der Trans-Versorgung.

Samuel, Julian und Daniel
In der Gründungsversammlung am 16. Dezember 2025 wurde in Hamburg der Verein Trans*Hafen Hamburg ins Leben gerufen. In dem Interview mit den neu gewählten Vorstandsmitgliedern Samuel, Julian und Daniel werden folgende Kernpunkte thematisiert: In Hamburg wurde der Verein Trans*Hafen als inklusive Organisation des Stammtisches „Hanse X-Men“ gegründet, um trans Personen, nicht-binären Menschen und Unterstützenden eine formale Plattform zu bieten. Der Vorstand setzt sich für eine stärkere gesellschaftspolitische Vernetzung sowie erhöhte Sichtbarkeit ein, um aktiv gegen transfeindliche Tendenzen und Diskriminierung vorzugehen. Langfristig fordert der Verein die rechtliche Gleichstellung durch die Aufnahme von Trans-Rechten in das Grundgesetz sowie einen sicheren Raum für die Community.

Patricia
Das Interview mit Patricia thematisiert den schmerzlichen Verlust von Alik und die tiefe Lücke, die sein Tod in der trans Community hinterlässt. Patricia beschreibt Alik als eine prägende Person, dessen Engagement bei den Hanse X-Men und seine Empathie vielen Menschen Mut und Orientierung gegeben hat. Das Gespräch dient als Raum für das Gedenken an sein Wirken und die Reflexion über die persönliche sowie gemeinschaftliche Trauer.

Prof. Dr. phil. Bernhard Strauß
Im Gespräch erläutert Bernhard Strauß den historischen Wandel von der psychiatrischen Pathologisierung hin zur Anerkennung von Transgeschlechtlichkeit als Variante der geschlechtlichen Vielfalt gemäß moderner Diagnostikstandards. Wir thematisieren dabei die gesellschaftliche Kritik. Die Betroffenen sind ins Zentrum der medizinischen Versorgung gerückt. Abschließend skizziert er die medizinische Unterstützung als Hilfsmittel zur Leidensminderung statt als Korrektur einer vermeintlichen Störung.

Prof. Dr. phil. Bernhard Strauß ist habilitierter Psychologe, Psychoanalytiker und Seniorprofessor am Universitätsklinikum Jena mit Spezialisierung auf evidenzbasierte Psychotherapieforschung. In seiner Funktion als Koordinator leitete er gemeinsam mit Timo Nieder die Kommission zur Erstellung der wegweisenden S3-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit“. Diese Tätigkeit erforderte seine spezifische Qualifikation in der methodischen Konsensfindung zwischen über 25 Fachgesellschaften zur Etablierung moderner Versorgungsstandards für trans Personen in Deutschland.

Dr. Michael A. A. van Trotsenburg
Im Interview mit Dr. Michael A. A. van Trotsenburg beleuchten wir zentrale Fragen der Transgender-Medizin: Von der ersten Beratungsstelle in Wien über die Umsetzung des Dutch Protokolls und internationale Entwicklungen in Tavistock und Schweden bis hin zu Evidenz, Ethik und dem Umgang mit „Regrettern“. Wir sprechen über ROGD bei Mädchen, die Länge der Blockerbehandlung, Wartezeiten in Holland, die Bedeutung spezialisierter Zentren sowie Herausforderungen in Ungarn und die Risiken von DIY-Behandlungen. Ein Gespräch über aktuelle Kontroversen und die Zukunft einer verantwortungsvollen Versorgung.

Dr. Michael A. A. van Trotsenburg ist ein führender Facharzt für Gynäkologie und Transgender-Medizin. Über ein Jahrzehnt leitete er die Genderklinik an der Freien Universität Amsterdam, wo er das international bekannte „Dutch Protocol“ maßgeblich in der klinischen Umsetzung und Weiterentwicklung prägte. Sein Fokus lag auf sicheren Hormontherapien und der Integration gynäkologischer Expertise. Seit 2000 gestaltet er die Versorgung in Österreich entscheidend mit: Er gründete die erste Transgender-Ambulanz des Landes und etablierte Standards für geschlechtsangleichende Medizin. Neben seiner klinischen Arbeit veröffentlicht er wissenschaftliche Beiträge, schult Fachpersonal und wirkt an internationalen Leitlinien wie den WPATH Standards of Care mit. Damit verbindet er Forschung, Praxis und internationale Vernetzung und gilt als Schlüsselperson für die moderne Transgender-Versorgung in Europa.

Musik:
TX2 – Randy McNally (No Love Like Christian Hate)
Lara Hulo – Kopf gegen die Wand

“Aber der zweite Punkt ist, ich bin selber seit 30 Jahren im Feld tätig und also die kritischen Fälle, die ich in meinem Berufsleben gesehen habe, die will ich jetzt nicht sagen, kann ich an der Hand abzählen, aber das ist doch eine geringe Zahl. Also gibt es überhaupt einen Anlass zu sagen, das, was ihr da entwickelt habt, ist zu kritisieren, weil nun was weiß ich, irgendwelche Detransitionsraten nach oben gegangen sind irgendwo?“

Nein, ich war ja beteiligt an diesem Protocol. Also ich sehe das nicht so kritisch. Das Problem ist vielmehr, die auf Englisch nennt, diese Violating the Protocol, dass vor allem in Amerika sehr viele Jugendliche und auch schon Kindern vor der Pubertät mit GnH-Analoga behandelt werden.
Und dazu gibt es keine Evidenz. Und im Übrigen, ja, man kann kritisch sein gegenüber Evidenz, aber wir nennen das auch immer und auch in den Standards of Care von WBARs, wir nennen das Best Available Evidence. Wir können tatsächlich einiges gar nicht machen, weil diese höchste Stufe von wissenschaftlichen Artikeln nicht mit einem Doppel-Blind-Placebo-Control-Gruppe, das geht tatsächlich überhaupt nicht.
Das wäre unethisch. Der Punkt ist bei diesen ganzen Behandlungen von Jugendlichen, ist das Follow-Up, ist daran, dass man sich an diesem Protocol hält. Ursprünglich war es gedacht aus einer sogenannten Extended Diagnostic Phase, also um Zeit zu gewinnen, um gemeinsam mit den betroffenen Kind, Jugendlichen, nochmal genau auszusuchen, was denn der richtige Weg ist für das Kind.
Und ich gebe gern zu, weil wir Erwachsenen, wir Professionals, uns nicht getraut haben. Die Kinder, für denen war das völlig klar. Und all diesen Jugendlichen, die wir schon behandelt haben und die jetzt schon 35 Jahre alt sind, es gibt bis jetzt aus dieser Gruppe kein einziger, kein einziger Regretter.
Dann wird das wieder uns zum Vorwurf gemacht. Ja, ja, wir haben diesen Kindern so gepempert und die sind ja alle schon so kontrolliert. Das ist ein Bias, Bias.
Ja, so sehe ich das nicht, weil dann kann man immer und alles kritisieren. Nein, man muss es aber korrekt machen und nochmals, wir drängen niemandem. Wir haben das nicht und wir tun es auch heute nicht.
Ich kenne auch kein vernünftiges Zentrum, der das macht. Wir drängen keinen Jugendlichen, keinen Erwachsenen in irgendeiner Richtung. Wir versuchen, ergebnisoffen den besten Weg auszusuchen.
Und ja, als Professional möchten wir schon dahinterstehen, aber es ist[…]

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jeden 5. Samstag im Monat, 19:00 bis 20:00 Uhr, kontakt@trans-radio.de
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Credits: Opening und Jingles Saskia Lavaux, Ending Divine „Shoot your Shout“

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