Thema
Frauen – warum Geschlechterfundamentalisten sie in ein rigides und biologistisches Zweigeschlechtersystem zwingen wollen, die Anschlussfähigkeit dieses Systems an evangelikale und rechte Netzwerke sowie autoritäre Regierungsformen und wie sie Kinder dafür mißbrauchen.
Die Rede die ich bei bei der Kundgebung vor der Europapassage, Ballindamm 40, am 20.09.2026, 11–14 Uhr halten und ausgedruckt in der Hand hielt.
Geschlechterfundamentalismus ist kein neutrales oder harmloses Verständnis von Geschlecht, sondern ein autoritäres Ordnungsprojekt, das Frauen in ein biologistisches Zwei-Geschlechtersystem zwingt und demokratische Pluralität untergräbt. Er behauptet, Geschlecht sei ausschließlich biologisch determiniert und legitimiere feste Rollen und Ausschlüsse. Diese Konstruktion ist weder wissenschaftlich haltbar noch menschenrechtskonform. Sie dient der Disziplinierung und Kontrolle und stellt einen direkten Angriff auf Gleichstellungspolitik und die Freiheit geschlechtlicher Selbstbestimmung dar. Im Zentrum dieser Ideologie stehen Frauen, weil ihre Körper und ihre Reproduktionsfähigkeit als Ressource für die Stabilisierung patriarchaler Machtverhältnisse betrachtet werden. Geschlechterfundamentalistische Akteure reduzieren Frauen auf Gebärfähigkeit, Gameten und XX-Chromosomen, entpolitisieren Frauenrechte, markieren feministische und pluralistische Positionen als „abweichend“ und pathologisieren jede Form von Vielfalt. So wird ein System reproduziert, das Binarität als „natürlich“ ausgibt und geschlechtliche Gleichstellungsstrukturen schwächt.

Dieses Projekt ist international anschlussfähig. Evangelikale Reinheitsvorstellungen, rechte Anti-Pluralismus-Strategien und autoritäre Regierungsformen greifen auf identische Narrative zurück: die „natürliche Frau“ als Bollwerk gegen gesellschaftlichen Wandel, die Konstruktion eines Feindbildes „Gender“, die Delegitimierung demokratischer Institutionen und die Behauptung, Vielfalt zerstöre Nation und Ordnung. Geschlecht wird zur politischen Waffe, um demokratische Gesellschaften zu destabilisieren und autoritäre Strukturen zu festigen. Starre Frauenbilder erleichtern soziale Kontrolle, schwächen Widerspruch und definieren die reproduzierfähige Frau als Ort politischer Loyalität statt individueller Freiheit.
Besonders deutlich zeigt sich die autoritäre Logik im Umgang mit Kindern. Geschlechterfundamentalistische Akteure behaupten, pluralistische Geschlechterpolitik schaffe eine Gruppe von Kindern, denen Schutz verweigert werde, und sie kritisieren selbstbestimmte Kinderrechte mit dem Argument, Kinder würden dadurch Verantwortlichkeiten erhalten, die sie nicht tragen könnten. Dieses Argument ist ein klassisches Angstnarrativ: Es konstruiert eine Bedrohung, die nicht existiert, und tarnt die eigene Ideologie als „Kinderschutz“. Tatsächlich werden Kinder in diesem Diskurs nicht geschützt, sondern instrumentalisiert und entrechtet. Sie dienen als moralische Projektionsfläche, über die politische Überlegenheit beansprucht wird. Die Erzählung, Kinder müssten vor Vielfalt „bewahrt“ werden, weil sie sonst die Vorstellung bekämen, sie könnten in „falschen Körpern“ geboren sein und müssten medizinisch korrigiert werden, ist wissenschaftlich widerlegt. Dennoch wird sie als rhetorisches Werkzeug genutzt, um pluralistische Bildungs‑ und Gesundheitsstrukturen zu delegitimieren. Sie verhindert, dass Kinder in ihrer Vielfalt gesehen, respektiert und geschützt werden. Sie verhindert evidenzbasierte Gesundheitsversorgung. Und sie verhindert, dass demokratische Gesellschaften die Würde und die Rechte jedes Kindes in den Mittelpunkt stellen. Kinderschutz bedeutet Schutz vor Stigmatisierung, nicht Schutz vor der eigenen Identität. Die Behauptung, Vielfalt sei gefährlich, ist ein politisches Framing, das wissenschaftliche Evidenz ignoriert und demokratische Institutionen diskreditiert.
Geschlechterfundamentalismus ist eine Gefahr für Frauenrechte, Demokratie und Kinderrechte. Pluralität, Selbstbestimmung und Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Politik muss fundamentalistische Netzwerke benennen und ihnen widersprechen. Bildungs‑, Gesundheits‑ und Familienpolitik müssen evidenzbasiert und menschenrechtskonform bleiben. Frauen und genderdiverse Menschen brauchen Schutz vor ideologischer Instrumentalisierung. Eine demokratische Gesellschaft lebt von der Anerkennung menschlicher Vielfalt. Geschlechterfundamentalismus hingegen lebt von Angst, Kontrolle und der Reduktion von Frauen auf biologische Funktionen. Wir treten entschieden dafür ein, dass Geschlecht als vielfältige, verkörperte und soziale Realität anerkannt wird – und dass Frauen, Kinder und genderdiverse Menschen frei von ideologischer Vereinnahmung leben können.





