Rede zum IDAHOBITA* 2026 in Hamburg

Ich spreche hier als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Trans- und Intergeschlechtlichkeit e.V. und des Fachverbandes für queere Menschen in der Psychologie e.V.

Gegen queere Menschen gibt es in Deutschland eine Kontinuität schwerer Gewalt und Menschenrechtsverletzungen:

In der Nazizeit wurden 100.000 schwule Männer verfolgt, 50.000 verurteilt, 15.000 queere Menschen waren im KZ, davon wurden geschätzt 9.000 ermordet.
Noch 1957 erklärt das Bundesverfassungsgericht den § 175 für verfassungsgemäß,
es gab mehr als 50.000 Verurteilungen nach 1945 in Deutschland.
Erst 2017 gab es Aufhebung der Urteile und die Rehabilitierung.

In Deutschland gab es systematischen Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern und trans Eltern.
Bis heute gibt es keine Rehabilitierung für lesbische Mütter und trans Eltern mit Sorgerechtsentzug.

Unter den Nazis wurden über 400.000 Menschen zwangssterilisiert, überwiegend Frauen und Mädchen.
Bis 2011 mussten sich in Deutschland trans Menschen zwangssterilisieren lassen, wenn sie ihren Geschlechtseintrag ändern lassen wollten.

Trotz des 2021 verschärften Verbotes werden jedes Jahr in Deutschland mehr als 5.000 0-9 jährige intergeschlechtliche Kinder, ohne deren Einwilligung, an ihren Genitalien operiert, auch hier in Hamburg.

In der seit 2020 geltenden Richtlinie zu Transgeschlechtlichkeit sind Zwangstherapien festgeschrieben mit konversivem Charakter, „Konversionstherapien“ wurden 2020 nur bei bei Minderjährigen in Deutschland verboten.

Bis heute gibt es keine Entschädigungen für inter- und transgeschlechtliche Menschen, die an ihren Genitalien verstümmelt oder zwangssterilisiert wurden.

Im Gegenteil, die Situation für geschlechtsdiverse Menschen soll sich radikal verschlechtern:

In Deutschland wird diskutiert, im kommenden Jahr ASV-Zentren für trans Menschen einzuführen. Die wenigen Zentren werden für eine völlige Pathologisierung von Transgeschlechtlichkeit sorgen und, wie in England oder Finnland, ein evidenzloses „wachtful-waiting“ – System einführen.

In den USA soll es eine Anti‑Terror‑Strategie (2026) gegen „gewalttätige linke Extremisten“, deren Ideologie „radikal pro‑transgender“ ist geben.

In Deutschland bekämpfen „Zweigeschlechter-Fundamentalisten“ unsere Rechte. In Hamburg wollen sie sich noch im Mai treffen und unsere Existenz diskutieren. Anfang Juli kommt Hilary Cass (Autorin des „Cass Review“) zum internationalen Kongress für Kinder- und Jugendpsychiatrie ins CCH nach Hamburg.

Queere Menschen sind in diesem Land eine Minderheit und wir wurden und werden bisher nur unzureichend durch das Grundgesetz geschützt. Aus diesem Grund muss der Artikel 3, Absatz 3 Grundgesetz erweitert werden um den Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität! Wir können uns nicht selber schützen. Das kann nur Recht und Gesetz, das kann nur die Mehrheitsgesellschaft tun.

Heute stehen wir hier, weil Sichtbarkeit kein Luxus ist.

Sichtbarkeit ist Überleben.

Sichtbarkeit ist Würde.

Sichtbarkeit ist ein Menschenrecht.

Kämpfen wir für unsere Menschenrechte!

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