Sophie Koch eröffnet ihre Rede zum 1. Jahresempfang mit Dank und ordnet den Anlass als einen staatlichen Akt des Erinnerns ein. Im Mittelpunkt steht das politische und menschliche Vermächtnis von Rita Süssmuth, die für viele Menschen – insbesondere aus der Community – von großer persönlicher und politischer Bedeutung war.
Sie würdigt Rita Süssmuth als eine Politikerin, die sich früh und entschlossen gegen Hysterie, populistische Reflexe und Ausgrenzung stellte und stattdessen konsequent für Menschlichkeit, Würde und Solidarität eintrat. Gerade in der Anfangszeit der HIV/AIDS-Pandemie habe sie Verantwortung übernommen, Aufklärung gefördert und Präventionsarbeit politisch unterstützt. Der Leitsatz
„Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“
sei dabei weit mehr als ein Slogan gewesen – er habe ihr politisches Handeln grundlegend geprägt.

Sophie Koch
Sophie Koch betont, dass viele der damaligen Errungenschaften heute selbstverständlich erscheinen, aber hart erkämpft wurden. Süssmuth sei ihrer Zeit oft voraus gewesen und habe auch dann Haltung gezeigt, wenn Gegenwind groß war. Dieser Einsatz habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Betroffene nicht allein gelassen wurden und gesellschaftliche Ausgrenzung überwunden werden konnte.
Der Satz „Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“ wird von Koch als aktueller Auftrag an die Gegenwart verstanden. Zwar habe Deutschland heute guten Zugang zu Prävention und Medikamenten im Kampf gegen HIV, doch global sei die Lage weiterhin dramatisch. Kürzungen in der internationalen Präventionsarbeit – etwa durch politische Entscheidungen einzelner Staaten – könnten wieder zu mehr Infektionen und Todesfällen führen.
Darüber hinaus schlägt sie den Bogen zu aktuellen politischen Entwicklungen und warnt vor autoritären Tendenzen weltweit. Demokratie beginne immer beim Schutz von Minderheiten. Wenn Rechte einzelner Gruppen eingeschchränkt würden, sei letztlich die Freiheit aller in Gefahr. Es gebe Fragen, die in einer Demokratie nicht der Mehrheitsentscheidung unterliegen dürften – insbesondere die Würde des Menschen, über die man nicht abstimmen könne.
In diesem Zusammenhang spricht sich Sophie Koch für eine Stärkung des Grundgesetzes aus, insbesondere für einen expliziten Schutz vor Diskriminierung. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Weg weiter beschritten wird.
Abschließend bedankt sie sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der vergangenen Monate, den offenen Dialog und den konstruktiven Umgang miteinander – auch bei inhaltlichen Differenzen. Sie würdigt die Rolle der Zivilgesellschaft und der Community und lädt dazu ein, den Blick über Deutschland hinaus zu weiten. Der Einsatz für eine offene, freie und menschenwürdige Gesellschaft gehe weiter – man dürfe nicht aufgeben, denn es gehe um eine gute und notwendige Sache.
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Bundespräsident a.D. Christian Wulff
Christian Wulff betonte in seiner Rede, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 aus den Erfahrungen zweier Weltkriege hervorgegangen sei. Damals seien Minderheiten diffamiert und entmenschlicht worden, weshalb die Weltgemeinschaft den Entschluss gefasst habe, künftig für Vielfalt, Gleichheit und Inklusion einzustehen. Er sagte, es sei damals ein breiter Konsens gewesen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen dürften. Heute jedoch nehme die Diskriminierung wieder zu, mit gravierenden Folgen für die betroffenen Menschen.
Wulff machte deutlich, dass viele Menschen, die in Demokratien aufgewachsen seien, nach 1989/90 geglaubt hätten, die Grundwerte seien selbstverständlich. Nun zeige sich jedoch, dass dies nicht der Fall sei. Er äußerte die Sorge, dass die Mehrheit in einer Demokratie nicht automatisch die Minderheiten schütze – und dass man dies aus den Augen verloren habe. Besonders in sozialen Medien könne man beobachten, wie Menschen Diskriminierungserfahrungen machten. Er hob hervor, dass Achtsamkeit und Empathie Grundvoraussetzungen einer demokratischen Gesellschaft seien.
Wulff sprach außerdem über strukturelle Diskriminierung und darüber, dass bestimmte Identitäten – insbesondere queere Menschen und trans Personen – zunehmend zu Feindbildern gemacht würden. Er verwies darauf, dass es Bedrohungen gegen queere Zentren gebe und dass Veranstaltungen eingeschränkt würden. Jeder Mensch habe jedoch das Recht, seine Identität frei zu leben und öffentlich zu feiern. Wenn dieses Recht angegriffen werde, handle es sich um Angriffe auf die Menschenwürde.
Er warnte vor Entwicklungen in den USA, wo Bücher verboten und Förderanträge aus ideologischen Gründen abgelehnt würden. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sei dies besonders alarmierend. Wulff verwies darauf, dass rechtsextreme Ideologen wie Carl Schmitt wieder zitiert würden. Schmitt habe behauptet, Demokratie setze Homogenität voraus und erfordere die „Ausschaltung oder Vernichtung des Heterogenen“. Wulff sagte, solche Gedanken würden heute erneut aufgegriffen und stellten eine fundamentale Gefahr für die Demokratie dar.
Ein zentrales Problem sei der Verlust von Empathie. Wulff erklärte, Empathie bedeute, anzuerkennen, dass jeder Mensch das Recht habe, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen – ohne sich rechtfertigen zu müssen. Er verwies auf Barack Obama, der gesagt habe, dass viele globale Probleme ihren Ursprung darin hätten, dass mächtige Männer ohne Einfühlungsvermögen handelten.
Wulff betonte, dass die demokratische Mehrheit Verantwortung trage. Parteien dürften sich nicht von extremistischen Kräften treiben lassen. Er kritisierte, dass die AfD Qualitätsmedien als „Lügenpresse“ diffamiere und das politische Klima vergifte. Dies spalte die Gesellschaft und führe das Land in eine gefährliche Richtung. Stattdessen müsse man entschlossen gegen antidemokratische Tendenzen auftreten.
Er hob hervor, dass die Würde jedes Einzelnen geschützt werden müsse – unabhängig von Identität oder Lebensweise. Menschenfeindlichkeit beginne oft mit Worten und ende nicht selten in Gewalt. Der Digital Services Act der EU biete die Chance, Hass im Netz besser zu bekämpfen, indem Meldungen erleichtert würden und Plattformen stärker in die Verantwortung kämen.
Wulff warnte, dass rechtsextreme Ideologien den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdeten und besonders junge Menschen anfällig für Radikalisierung seien. Er rief dazu auf, Offenheit, Toleranz und Mut zu zeigen. Eine große Widerstandskämpferin habe ihm einmal gesagt, die Weimarer Republik sei untergegangen, weil die Menschen das Gefühl für ihre eigene Verantwortung für das Land verloren hätten. Wulff sagte, auch heute werde die Gesellschaft geprüft – ob sie bereit sei, Verantwortung zu übernehmen oder ob sie nur zuschaue.
Zum Schluss betonte er, dass die Zukunft ungewiss sei, aber dass es auf das Engagement aller ankomme. Die Welt bewege sich gefährlich in Richtung faschistischer Ideologien, und es sei entscheidend, dem entschieden entgegenzutreten. Er sagte, man müsse erfolgreicher werden im Schutz der Demokratie und der Menschenwürde.





