Am 29. Januar 2026 hat die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) in Straßburg eine richtungsweisende Resolution verabschiedet, die ein umfassendes, europaweites Verbot von Konversionspraktiken fordert (Parliamentary Assembly of the Council of Europe [PACE], 2026). Der Europarat ist kein Organ der EU, sondern das wichtigste Menschenrechtsgremium des Kontinents. In der verabschiedeten Empfehlung, die auf dem Bericht der Abgeordneten Kate Osborne basiert, werden die 46 Mitgliedstaaten aufgefordert, sogenannte „Heilungstherapien“ unter Strafe zu stellen. Dies betrifft Maßnahmen, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität einer Person zu ändern oder zu unterdrücken.
Der Beschluss stuft diese Praktiken als schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte ein und stellt sie auf eine Stufe mit unmenschlicher Behandlung. Die Resolution sieht vor, dass die Staaten sowohl die Durchführung als auch die Bewerbung und das Angebot solcher Praktiken kriminalisieren. Ein zentraler Punkt ist die rechtliche Feststellung, dass eine „Einwilligung“ von Betroffenen als nichtig gewertet wird, da die Praktiken wissenschaftlich haltlos sind und schwere psychische Schäden verursachen. Obwohl die Resolution rechtlich nicht unmittelbar bindend ist, besitzt sie eine hohe politische Signalwirkung und setzt Standards für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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Strategische Widerstände und Desinformations-Kampagnen
Gegen diese Resolution mobilisierte ein Netzwerk von Organisationen, darunter Frauenheldinnen e.V., das Athena Forum sowie internationale Gruppen wie Genspect. Kritiker ordnen deren Strategie als demagogisch ein, da sie gezielt mit Narrativen operierte, die nach Ansicht von Menschenrechtsexperten von den tatsächlichen Inhalten der Resolution ablenken und Vorurteile gegenüber trans Personen bedienen.
Die Kampagnen basierten im Wesentlichen auf drei zentralen Behauptungen, die als irreführend eingestuft werden können:
- Die Behauptung eines „Behandlungsverbots“: Die Organisationen suggerierten, das Verbot mache eine „ergebnisoffene Therapie“ unmöglich und kriminalisiere Therapeuten, die mit trans Jugendlichen arbeiten (Athena Forum, 2026; Frauenheldinnen e.V., 2026).
Die Faktenlage: Die Resolution unterscheidet zwischen schädlichen Beeinflussungsversuchen und professioneller psychologischer Begleitung. Exploration und Beratung innerhalb geltender Richtlinien bleiben ausdrücklich erlaubt. - Das Narrativ der „Zwangs-Transition“: Frauenheldinnen e.V. (2026) und das Athena Forum (2026) suggerierten, die Resolution würde Kinder schutzlos einer „Trans-Ideologie“ ausliefern.
Die Faktenlage: Die Resolution befasst sich mit dem Schutz vor psychischer Gewalt, nicht mit medizinischen Behandlungsleitlinien. Die Verknüpfung von Konversionsschutz mit der Angst vor medizinischen Eingriffen bei trans Minderjährigen gilt als Instrument zur Erzeugung emotionaler Abwehr. - Die Strategie der taktischen Spaltung: Unter dem Schlagwort „Deceptive Label“ versuchte das Athena Forum (2026), die Rechte von Frauen und Homosexuellen gegen die von trans Personen auszuspielen. Auch Genspect (2026) forderte dazu auf, die „Geschlechtsidentität“ aus der Resolution zu streichen, um angeblich Kinder zu schützen.
Trotz dieser intensiven Lobbyarbeit und zahlreicher Änderungsanträge hielt die Parlamentarische Versammlung an der Faktenlage des Berichts fest. Sie stufte die Gegenargumente als politisch motivierte Desinformation ein und lehnte die Versuche, den Schutz für trans Menschen zu streichen, am 29. Januar 2026 konsequent ab.
Quellenverzeichnis
Athena Forum. (2026). No child is born in the wrong body – remove gender identity from the conversion therapy resolution. https://athena-forum.eu/updates/no-child-is-born-in-the-wrong-body-remove-gender-identity-from-the-conversion-therapy-resolution/
Frauenheldinnen e.V. (2026). Wenn Zweifel bestraft werden und Zustimmung Pflicht wird – Geplantes EU-Konversionsverbot liefert Kinder der Transideologie aus. https://www.frauenheldinnen.de/news/wenn-zweifel-bestraft-werden-und-zustimmung-pflicht-wird-geplantes-eu-konversionsverbot-liefert-kinder-der-transideologie-aus/
Genspect. (2026). Make your voice heard on so-called conversion practices in Europe. https://genspect.org/make-your-voice-heard-on-so-called-conversion-practices-in-europe/
Parliamentary Assembly of the Council of Europe [PACE]. (2026, 29. Januar). PACE calls for ban on conversion practices. https://pace.coe.int/en/news/10185/pace-calls-for-ban-on-conversion-practices
Osborne, K. (2026). For a ban on conversion practices (Report Doc. 16315). Parliamentary Assembly of the Council of Europe. https://pace.coe.int/files/35742/html





