(trans) Frauenräume

„Alle Transsexuellen vergewaltigen Frauenkörper, indem sie die wahre weibliche Form auf ein Artefakt reduzieren, wenn sie sich diesen Körper für sich selbst aneignen. Indessen schändet (violates) der transsexuell konstruierte lesbische Feminist ebenso Sexualität und Geist von Frauen. Vergewaltigung, obschon sie gewöhnlich durch unmittelbaren Zwang getan wird, kann auch durch Täuschung bewerkstelligt werden. Es ist signifikant, dass im Fall des transsexuell konstruierten lesbischen Feministen, dieser oft Eintritt und eine dominante Position in Frauenräumen gewinnen kann, weil die beteiligten Frauen nicht wissen, dass er ein Transsexueller ist und er es schlichtweg zu keinem Zeitpunkt erwähnt.“[1]

Die durch ihre bloße Existenz vergewaltigende trans Frau, die das Patriarchat in Frauenräume bringt und am Ende dieser Gedankenkette, die Frau an sich unsichtbar machen will. [2] Mit „Spannungsfeldern“ ist die aktuelle Diskussion um trans Geschlechtlichkeit kaum zu fassen. Auch das Fokussieren eigener Harmoniebedürfnisse auf diesen Kontext scheint unangebracht zu sein. Wenn Feminismus etwas mit Solidarität und Selbstbestimmung zu tun hat, dann meint Solidarität bestimmt keinen Zwang zur Konformität. Die Logiken von trans und die Abgrenzungen davon liegen mit gegenseitigen Auslöschungsvorwürfen weit auseinander. Es fällt schwer, die Anliegen der anderen Seite wahrzunehmen und die Überschneidungen zu erfassen. Zumal das vor dem Hintergrund massiver patriarchaler Gewalt und einer defensiven Grundhaltung geschieht. Es gibt gegenseitige Anerkennungsdefizite. Von einer Akzeptanz unterschiedlicher Erfahrungen und Bedürfnisse von cis, trans und nichtbinären Geschlechtlichkeiten sind wir in den extremen Zuspitzungen weit entfernt.

Definitionen

Für patriarchale Machtausübung bleibt es notwendig, dass die Kategorie Frau benennbar, identifizierbar und zugewiesen wird. Frau sein ist keine Selbstdefinition. Wer würde davon profitieren, wenn Frauen unsichtbar werden und warum sollte das wer wollen? Eine übermächtige „Transideologie“ oder „Translobby“, die in einigen Köpfen herumspukt und die es bisher nicht geschafft hat, sich wenigstens auf einen gemeinsamen Bundesverband zu verständigen, hätte jedenfalls keinen Vorteil davon.

Der Platz als Frau ist zugewiesen und verbunden mit weniger Macht und der Zuschreibung geringerer Kompetenz. Unterschiedliche Erfahrungen als Frau oder als Frau zugewiesen werden sind nicht das gleiche. Eine Frau als „cis“ zu bezeichnen, ist identitär und affirmativ zum Frau sein. Es konnotiert Frau sein als ermächtigt, aber Frauen suchen sich Frau sein nicht aus und besetzen es nicht automatisch positiv. Es überträgt eine trans Logik, als aktiver Schritt aus dem Zuweisungsgeschlecht, auf Frauen.

Die Geschlechtertrennung muss machbar bleiben. Die damit verbundene Zuweisung, was denn eine Frau sei, schafft schmerzhafte und gewaltvolle Implikationen, wie die Gleichsetzung von Frau sein und schwanger werden (können). Die dafür benutzten körperlichen Merkmale, häufig einhergehend mit einem simplifizierenden Biologismus, definieren eine Leistungsfähigkeit der Frau als Ideal eines (radikalen) Feminismus. Die Kategorie Frau wird zu etwas monolithisch Benennbarem. Trans sein ist die körperliche Erfahrung, etwas nicht zu haben und zu können. Trans ist eine Irritation, die bei allen, die damit umgehen müssen, häufig zu Ablehnungen und Abwehr führt. Das ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal v0n trans, allein jede 10. Frau kann nicht schwanger werden. [3]

Sortierungen

Radfems machen sich diese Irritationen zu eigen. Das dokumentieren sie durch ihre öffentlichen Beiträge, wenn sie Bilder von trans Körpern ableistisch wertend kommentieren. Sie verengen die Definition Frau auf „wahre“ (cis) Frauen. Damit treffen sie den Kern der Ideologie mancher trans Frauen, die den eigenen Irritationen entfliehen wollen und sich auf der Suche nach den „echten“ Frauen anschließen. Sie ordnen ihr trans sein der gesellschaftlichen Erwartungslogik von Eindeutigkeit unter. Alles muss verstehbar sein und in binären Kategorien einsortiert werden: weiblich, männlich und dann eben trans. Der operierte Körper, der einen „penisfreien“ Raum garantiert, wird zur geduldeten Kategorie, die das frau sein eben noch berührt aber nie erreichen kann. Diese trans Frauen sind aus Sicht der Radfems keine „echten“ Frauen.  Als Kronzeuginnen sind sie akzeptiert, als zu „Frauen“ konstruierte Männer. [4]

Die Diskussion um eine Definition folgt einer gesellschaftlichen Entwicklung, die die Möglichkeiten Frau zu sein enger macht, Pinkifizierung wäre ein Stichwort. So treffen trans gesperrte Frauenräume zuerst die nicht binär konformen Frauen und in der Folge alle Frauen. Sie müssen sich mühen, möglichst raumkonforme Rollenbilder zu generieren und zu replizieren. Für Butches und gender nonkonforme Frauen ist in der Welt der anti trans Gesetzgebung kein Platz.

Mädchen haben Rechte

Butches definieren sich, in der Welt der Radfems, heute ohnehin eher als trans oder nicht binär. Sie treten einfach aus dem Frau sein aus und üben damit Verrat am Frau sein. Eine ganz neue Generation von Mädchen hat angeblich das trans sein als Ausweg für sich entdeckt, da sie keine Diskriminierungserfahrungen als Frauen machen wollen. Nichts von dem stimmt, trotzdem bleibt auf allen Seiten Trauer, Verrat und Schuldzuweisungen.

Die Perspektiven von Mädchen erleben viele Widerstände. Wenn jungen Menschen bis zum 25 Lebensjahr an der Transition gehindert werden sollen, werden sie zwangsweise in die cissexistische Normierung gezwungen. Das ist eine Gewalt, die gegen (in der Logik der Radfems) Mädchen und ihr körperliches Selbstbestimmungsrecht vollzogen werden soll. Menstruation und Schwanger ist nicht dasselbe wie Mädchen sein. Es ist zu respektieren, wenn sie ihre Selbstbezeichnungen als Frau oder in anderen Geschlechtlichkeiten finden. Und sie verlieren als trans Männer nicht das Recht auf Solidarität, weil sie denselben Verletzungen durch patriarchale Gewalt ausgesetzt waren. Alle die Weiblichkeit gelebt haben oder leben sind von dieser Gewalt betroffen.

Fremdheit als cis in cis Räumen

Trans benötigt cis als Begriff untereinander und wenn über Sexismus geredet werden muss. Sexismus benennt die Hierarchie (Herrschaft, Macht und binäre Geschlechtlichkeit) zwischen Männern und Frauen. Cis Frauen sind diskriminiert und trans Menschen werden den privilegierten Männern zugerechnet. Der Cissexismus benennt die Hierarchie (Geschlecht binär) zwischen cis und trans Frauen. Cis Frauen sind privilegiert, weil sie in ihrem Geschlecht als (biologisch) existent gelten. Trans wäre eine identitäre Illusion und nicht existent.

Der aktuelle Diskurs im trans Spektrum trennt das Körpergeschlecht nicht mehr vom geschlechtlichen Selbstverständnis. Damit schwindet der Druck zur körperlichen Transition. Trans ist keine Selbstdefinition oder ein Geschlechtswechsel, eine Migration. Trans ist das Wahrnehmen und Akzeptieren einer divergenten Geschlechtlichkeit als Teil einer körperlichen Realität. Trans Körper und der geschlechtliche Ausdruck können sich heute deutlicher aus den normativem Vorstellungen von Geschlecht heraus bewegen. Dieses intelligible Geschlechterverständnis ist das Schreckgespenst der Diskussion um das Selbstbestimmungsgesetz.

Streit und Aktivismus

Die Verfielfältigung von Geschlechtern und deren Verhältnissen zueinander, kann ein Gewinn für Frauen sein, weil es mehr (Über)Lebensoptionen bringt. Es ist ein legitimes Ziel, den geschlechtlichen Raum zu ergründen und dessen Diversität und vielfältigen Optionen lebbar zu machen. Die Konstruktion von Geschlecht ist mit Machtbeziehungen und Wahrheitspolitiken verbunden. Die Polarisierungen sind gewollt. Diese sichtbar zu machen, führt zwangsläufig zu Zumutungen und zum Schmerz des anders seins. Um Antworten zu finden und Lösungen, ist Geschlecht und damit trans, ein viel zu großer Raum. Wir sind zu wenige und die radikalfeministische Spaltung macht uns noch weniger.

Wir können den Streit nicht vermeiden und den safe space zur Verletztlichkeitsabwehr gibt es nicht. In den Konsequenzen patriarchaler Gewalt zu streiten macht unsouverän. Menschen können kämpfen, wenn sie nicht direkt betroffen sind. Deshalb bedarf es ein Mindestmaß an Akzeptanz für trans, um das Thema besprechbar zu machen.

Wenn wir Aktivismus nachhaltig machen möchten, müssen wir unaufgeregt um Solidarität ringen. Zusammen denken sollte möglich sein. Gemeinsam lernen und solidarisch sein, vielleicht eine Arbeitsteilung organisieren mag eine Utopie sein. Zumal die Solidarität die trans Community nicht erfunden hat. Eines zeichnet unsere Community aber aus: wer will, ist willkommen.

Hintergrund:

Pfeiffer, Z. J. & Debus, K. (2021). Das Wollknäuel besprechbar machen. http://beyond-binary.net.
Pfeiffer, Z. J. (2021). Von Gendersternchen und anderen Türsteherinnen. Hinterland Magazin.

Anmerkungen:

  1. Grigowski, Z. (2016). Trans* Fiction. Zitiert: Raymond, J., The Transsexual Empire, S. 104. Unrast-Verlag, S. 25.
  2. TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. (2020). Positionspapier zu Transgender, Selbstbestimmung und Geschlecht: „Ein Eintritt durch Transition in fest definierte Geschlechterrollen mit den ihnen entsprechenden Stereotypen ändert allerdings nichts an Binarität oder Hierarchisierung innerhalb des Systems. Er kann im Gegenteil dazu beitragen, das Patriarchat fortzusetzen, zu bekräftigen und sogar dazu führen, patriarchale Logik, Sozialisation und Strukturen in Frauenräume, hineinzutragen.“
  3. Prof. Dr. Wippermann, C. (2021). Ungewollte Kinderlosigkeit 2020: „„Die sogenannte endgültige Kinderlosenquote (Anteil der kinderlosen Frauen an allen Frauen zwischen 45 und 49 Jahren) stieg zwischen 2008 und 2018 von 17 Prozent auf 21 Prozent. […]“. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. S.7
  4. Tom (@qann1861) & Felix (@Stillehochzeit) (2021). Aus Trans-Perspektive.

 

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