mds Richtlinie Transsexualismus 2020

Es gibt eine neue Begutachtungsanleitung, Richtlinie des GKV-Spitzenverbandes nach § 282 SGB V, Geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Transsexualismus (ICD-10, F64.0), (mds Richtlinie vom 31. August 2020).

Die neue mds Richtlinie verbessert die Situation für uns entscheidend. Die psychiatrische Zweitsicht fällt weg und die Rolle der Psychotherapeuten ist gestärkt, da sie jetzt alleine die Begutachtung durchführen können. Darüber hinaus wird in der Richtlinie die alte 18 monatige Fristenreglung aufgehoben, es gibt faktisch nur noch eine 6 Monatsfrist.

Ärgerlich ist der unnötige Zwang in die Binarität der Geschlechter, das produziert „Regretter“ geradezu.


Diagnose (S.13-14)

1. Die transsexuelle Identität muss mindestens zwei Jahre durchgehend bestanden haben.
2. Sie darf kein Symptom einer anderen psychischen Störung, wie z.B. einer Schizophrenie, sein.
3. Ein Zusammenhang mit intersexuellen, genetischen oder geschlechtschromosomalen Anomalien muss ausgeschlossen sein.
4. Bei non-binärer Geschlechtsidentität besteht kein Transsexualismus i.S. dieser BGA.


Psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung (S. 16ff)

Indikation für geschlechtsangleichende Maßnahme erfolgt in zwei Schritten:
1. eine (!) psychiatrische/psychotherapeutische Indikationsstellung (1 Gutachten – keine Zweitsicht mehr!))
2. die somatisch-ärztliche Indikationsstellung durch die Ärztin/den Arzt, die/der die Maßnahme durchführen soll.

1. Mindestens eine Kurzzeittherapie von 12 Sitzungen á 50 Minuten in 6 Monaten, inklusive der Diagnostik. Neben einer Richtlinien-Psychotherapie können auch andere Behandlungssettings in Frage kommen.
2. Erklären, ob komorbiden psychischen Störungen vorliegen und mit welchen Maßnahmen und welchem Therapieergebnis diese behandelt wurden.
3. Bei genitalangleichenden Operationen mindestens 12 Monaten Alltagserfahrungen. Abweichungen davon müssen von den Behandelnden begründet werden.
4. Andere geschlechtsangleichende Maßnahmen, z.B. bei Hormonbehandlung oder Mastektomie, können schon zu einem früheren Zeitpunkt erforderlich sein.

Zugelassene Behandlungen (S. 25ff)

Arzneimitteltherapie (gegengeschlechtliche Hormonbehandlung)

1. Vorbestehende Komorbiditäten müssen adäquat behandelt sein (Indikation durch Psychotherapeut).
2. Umfangreiches Screening auf etwaige Risikofaktoren und die Therapie und die Bestimmung der Frequenz der Kontrollen sollte durch eine/n endokrinologisch erfahrene/n Ärztin/ Arzt durchgeführt werden.

Epilationsbehandlung

1. Nadelepilation und Laserepilation nur als vertragsärztliche Versorgung.
2. Nach Gutachten
3. Hormonbehandlung muss nicht mehr nachgewiesen werden

Mastektomie
keine Vorgaben

Mammaaugmentation bei Mann-zu-Frau

1. kein ausreichendes Brustwachstum mit mindestens Körbchengröße A
2. mindestens 2 Jahre Östrogentherapie

Genitalangleichende operative Maßnahmen

Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie
1. ärztlich verordnet
2. zugelassene Stimm-, Sprech- und Sprachtherapeuten

In der Richtlinie wird wenig versteckt Konversionstherapie mit trans Menschen eingefordert: (S. 19)

„Psychiatrische und psychotherapeutische Mittel werden nicht eingesetzt, um die Geschlechtsidentität einer Person zu ändern.“
Aber….
„Im Rahmen der sozialmedizinischen Begutachtung ist in Bezug auf den krankheitswertigen Leidensdruck zu prüfen, ob psychiatrische und psychotherapeutische Mittel zur Behandlung des krankheitswertigen Leidensdrucks ausgeschöpft wurden. Hierbei sollten auch alternative Optionen zu operativen Maßnahmen berücksichtigt werden. Es kann auch sein, dass sich Betroffene dafür entscheiden, eine Transition nicht weiter zu verfolgen. … so sei es mit Hilfe von Psychotherapie möglich, dass es einigen Betroffenen gelinge, ihre trans- oder gegengeschlechtlichen Gefühle in ihr biologisches Geschlecht zu integrieren, so dass sie nicht das Bedürfnis hätten, ihren Körper zu feminisieren oder zu maskulinisieren.“

Es ist zu hinterfragen, ob hiermit das „Gesetze zum Schutz vor Konversionsbehandlungen“ von 2020 gebrochen wird?

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