Ich bin Linus

Linus Giese bleibt mit großer Strenge bei seiner Subjektivität und gestattet sich selten, Unerklärliches erklären zu wollen. Er tut sich schwer mit der Frage nach dem „trans sein“ (S. 22) und arbeitet an Geschlechterklischees wie Kleidung, Spielzeug und Schminke (S. 23). Es erleichtert beinahe, die Qualen der gegen geschlechtlichen Pubertät mitzuerleben (S. 24).

Es ist das Buch einer Transition und Linus Giese berichtet über das „neue Leben, aus dem es keinen Weg zurück mehr gibt“ (S. 70) und in dem er „alles weibliche an sich zerstören“ wollte (S. 78). Er gibt dafür keine Antworten und wird immer dann konkret, wenn es um seinen Körper und dessen Veränderungen geht. Transition ist nicht die große, unveränderliche Wandlung, sondern der mühevolle Prozess „sich seinen Körper anzueignen“, „wie eine Ermächtigung“ (S. 79). Die Erkenntnis, dass Transition der Weg zum eigenen Geschlecht und nicht die Veränderung des Geschlechts dahin ist, findet sich zu Recht an vielen Stellen im Buch, denn er „steckt nicht im falschen Körper“ (S. 107). Linus Giese will „Geschlechtervorstellungen aufbrechen“ (S. 117) und „Männlichkeit komplett vernichten“ (S. 118). Er bekennt sich zu seinem trans sein und da wird das Buch ganz stark. Ihn „langweilen […] trans Menschen, die wie cis Menschen aussehen“ (S. 207). Hier öffnet er sich dem großen geschlechtlichen Raum, der die Wirklichkeit ist.

Es berührt, mit wie viel Klugheit und Liebe das Buch geschrieben wurde, „weniger (aus) Liebe zu ihm selber“, sondern in Zuneigung zu den Leser:innen. Unbedingt lesen!