Informationsveranstaltung der BSU am 23.8.2010 für das Bürgerkomitee Stellingen und die Initiativen

Informationsveranstaltung der BSU am 23.8.2010

für das Bürgerkomitee und die Initiativen

Die Veranstaltung fand nach Kontakten zwischen dem Büro Luchterhandt und Herrn Daiber vom Bürgerkomitee Stellingen statt. Die Informationsveranstaltung wurde in der Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten in der BSU, Stadthausbrücke 8, durchgeführt. Die Leitung der Veranstaltung hatte das Büro Luchterhandt. Außerdem waren noch Frau Störmer, Frau Piening und Herr Schier von der BSU anwesend.

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Zur Einführung wurde über den Zweck der Veranstaltung informiert:

Die Veranstaltung wurde für die Initiativen angeboten, um die Wettbewerbsergebnisse und die Preisgerichtsempfehlungen vorzustellen und inhaltliche Fragen zu den Siegerentwürfen zu beantworten. Die gezeigten Pläne in der Ausstellung sind keine Ausführungsplanungen, sondern „nur“ Wettbewerbsergebnisse.

Da es sich um einen Realisierungswettbewerb handelte, sollte die Deckeloberfläche im Grundsatz entsprechend der Ergebnisse gestaltet werden. In einer weiteren Planungsphase sollen die Wettbewerbsergebnisse präziser durchgearbeitet werden. Dabei sollen neben anderen Belangen auch die Anliegen der Anwohner einfließen. Eine förmliche Bürgerbeteiligung findet im Rahmen des noch ausstehenden Bebauungsplanverfahrens statt.

Bürger konnten ihre Wünsche zur Überarbeitung der Wettbewerbsergebnisse in das ausliegende Gästebuch der Ausstellung eintragen oder der Projektgruppe Deckel schriftlich mitteilen.

Über die Deckelgestaltung wurde berichtet:

Hamburg schließt mit dem Bund einen Nutzungsvertrag für die Autobahndeckel ab. Dieser Vertrag sieht eine intensive Dachbegrünung vor. Der Park auf den Autobahndeckeln wird öffentlich gepflegt. In Verkehrsbelangen hat der Bund ein Vetorecht.

Schon die Preisrichter waren mit dem Siegerentwurf für den Stellinger Deckel nicht voll zufrieden. Hauptsächlich sollten die beiden Enden, die Übergänge zu den Privatgrundstücken, der Übergang zu den Schulen und die Mitte mit dem Wördemanns Weg vom Landschaftsarchtiktenbüro Weidinger überarbeitet werden.

Nachdem die Teilnehmer den Inhalt des Siegerentwurfes und dessen Konzept im Einzelnen erfahren hatten, entstand eine sehr erregte Diskussion. Besonders auch deswegen, weil hier von Behördenseite über Privateigentum verfügt werden soll, ohne das die Anwohner vorher gefragt worden sind.

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Laut BSU hat sich der Landschaftsarchitekt für die Allgemeininteressen und gegen die privaten Belange der Anlieger entschieden. Dabei wird von den Planern vergessen, dass sich die Allgemeinheit aus einer Vielzahl von Einzelnen zusammensetzt. Bei der Vielzahl direkt betroffener Anlieger kann hier von einer Allgemeinheit gesprochen werden.

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In Stellingen soll am südlichen Deckelende ein Kleingartenverein entstehen, der mit dem öffentlichen Raum verzahnt ist. In der Mitte soll eine offene Wiese und im Norden ein Wald entstehen. Laut BSU sind der verzeichnete Spielplatz, Kiosk, Gastronomie oder anderes nur Platzhalter. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt in den weiteren Planungen. Die Vorschläge aus der Ideenbörse werden nur als Anregungen ohne Verpflichtung zur Kenntnis genommen. Bei den Planungen ist nur der Kleingarten zwingend, zu Lasten der Anwohner wird dem Park der Vorzug gegeben. Die Planungen der Deckelgestaltung können seitens der Behörden oder der politischen Vorgaben jederzeit geändert werden, auch noch Jahre später. Das ist nicht gerade beruhigend. Für je 3 Kleingartenparzellen ist ein PKW Stellplatz vorgesehen.

Weitere Planungsschritte der BSU:

  • Die Wettbewerbsergebnisse werden mit den Empfehlungen des Preisgerichts an die Landschaftsarchitekturbüros zur Überarbeitung zurückgegeben. Gleichzeitig werden ausgewählte Kritikpunkte der Anwohner und Anregungen aus dem Gästebuch zur möglichen Berücksichtigung (?) an die Büros gegeben.
  • Die überarbeiteten Pläne sind danach die Grundlage für Plandiskussionen mit den Anwohnern und der Öffentlichkeit.
  • Mit dem Ergebnis der Plandiskussion wird das übliche Bebauungsplanverfahren mit abschließendem Bebauungsplan durchgeführt.
  • Parallel dazu findet das Planfeststellungsverfahren mit abschliessendem Planfeststellungsbeschluss für die Verbreiterung der Autobahn und dem eigentlichen Deckelbauwerk statt. Nach letzten Informationen soll dieses Planfeststellungsverfahren bis Ende 2010 beginnen
  • Zeitlich soll der Bebauungsplan für die Deckelgestalltung so rechtzeitig fertig sein, das nach Fertigstellung des Autobahndeckel nahtlos mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Aus den oben angeführten Planungsschritten ergibt sich, das die direkten Anwohner schon jetzt ihre berechtigten Anliegen den Planern mitteilen müssen, damit sie in die Überarbeitung der Pläne mit einfließen können. Spätere Änderungen des fertigen Plans sind immer schwierig oder unmöglich.

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Die bisher auf der Veranstaltung und im Bürgerkomitee gemachten Vorschläge und Kritikpunkte des Siegerentwurfs für Stellingen:

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  • Die auf der Ideenbörse gemachten Vorschläge wurden zu wenig berücksichtigt.
  • Der Lärmschutz von der Kieler Straße fehlt im Entwurf.
  • An der Kieler Straße fehlt der oberirdische Fuß- und Radweg auf dem Deckel. Der Tunnel unter der Einfahrt Richtung Norden muss wegfallen.
  • Der Theodor Schäfer Damm muss Sackgasse bleiben. Es darf kein Durchbruch zum Flamingoweg gebaut werden.
  • Die Beleuchtung auf dem Deckel ist im Entwurf nicht erkennbar. Sie muss ein gefahrlose Überquerung bei Dunkelheit gewährleisten. Sie darf die Anwohner nicht mehr beeinträchtigen als die vorhandene Autobahnbeleuchtung.
  • Die Abgrenzungen zu den Privatgrundstücken ist im Entwurf nicht vorhanden. Da alle bestehenden Abgrenzungen, Zäune, Mauern und die kompletten Grundstücksteile zur Autobahnseite durch die Bauarbeiten zerstört werden, müssen sie ersetzt werden. Die Abgrenzungen müssen einen Sichtschutz gegenüber dem Deckelpark gewährleisten. Sie dürfen ohne Hilfsmittel nicht zu übersteigen sein.
  • Gabionen sind als Abgrenzung nicht geeignet, da sie ohne Hilfsmittel überklettert werden können.
  • Alle Eigentümer, die für den Autobahnausbau Teile ihrer Grundstücke hergeben müssen, müssen die Möglichkeit einer Rückpacht auf dem Deckel erhalten. Die Eigentümer dürfen dahingegen nicht schlechter gestellt werden als die Kleingärtner, denen eine Pacht auf dem Deckel als Ersatz für ihre bisherigen Kleingärten möglich ist.
  • Die Gastronomie am Vereinshaus des Kleingartens und der Kiosk am Wördemanns Weg werden abgelehnt.
  • Der Weg auf dem Deckel vom Wördemanns Weg aus nach Norden soll in der Mitte und nicht am Rand verlaufen.
  • Der Spielplatz zwischen Imbekstieg und Olloweg wird an dieser Stelle abgelehnt. Ein möglicher Spielplatz soll mit anderen Angeboten am nördlichen Ende in der Nähe zum Abenteuerspielplatz entstehen.
  • Der Abenteuerspielplatz und Spielplatz vom Schopbachweg sind im Entwurf nicht enthalten. Sie müssen am angestammten Platz erhalten bleiben.
  • Ein öffentliches WC am nördlichen Ende für die Besucher ist wünschenswert. Die Parkanlage oder private Grundstücke sind für solche Bedürfnisse nicht gedacht.
  • Es dürfen keine neuen Lärmquellen auf dem Deckel entstehen. 40 Jahren gesundheitsschädlicher Lärm von der Autobahn und 4 Jahren Bauarbeiten auf den eigenen Grundstücken zum Wohl der Allgemeinheit sind genug. Damit haben die Anwohner ihre Pflichten gegenüber der Allgemeinheit übererfüllt.
  • Bäume zu dicht am Deckelrand neben den Privatgrundstücken werden abgelehnt. Ein Mindestabstand ist einzuhalten, ebenso eine begrenzte maximale Höhe wegen Schattenwurf, dem Laub im Herbst und der Unfallgefahr wegen der nur 1,2 Meter dicken Erdschicht.
  • Die sichere Ableitung des Regenwassers fehlt im Entwurf. Durch Siele muss auch bei Starkregen eine Überschwemmung der tieferliegenden Privatgrundstücke und Keller verhindert werden.
  • Wegen dem europaweit einmaligen Projekt muss den betroffenen Anliegern und direkten Nachbarn des zukünftigen Stellinger Deckels ein angemessenes Informations- und Mitspracherecht eingeräumt werden. Die Anlieger dürfen bei so einem Projekt nicht auf der Strecke bleiben oder unter die Räder der zukünftig 165.000 täglichen Fahrzeuge auf diesem Autobahnabschnitt kommen. Das wäre dann zusätzlich ein europaweit einmaliger Skandal.
  • Die Abgasentsorgung durch die Tunnelenden wird von den Anwohnern als ungenügend angesehen. Eine Information von der BSU über zulässige Grenzwerte und den tatsächlich zu erwartenden Konzentrationen an den Tunnelenden steht aus. Gibt es eine Möglichkeit der Nachbesserung, wenn die Grenzwerte überschritten werden?

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Das Bürgerkomitee will, dass die Belastungen für alle Anwohner so erträglich wie möglich gestaltet werden. Dies gilt nicht nur für die 4 Jahre lange Bauphase, sondern erst recht für die fertige Deckelgestaltung. Die Anwohner müssen den Rest ihres Lebens damit auskommen, die Planer und Besucher gehen wieder zu sich nach Hause.

Wenn noch nicht geschehen, dann sollten weitere Kritikpunkte, Einwände, Anregungen oder Ideen unverzüglich der BSU zur Überarbeitung der Entwürfe mitgeteilt werden. Diese Vorschläge sollten realistisch sein, weil nur solche von der BSU an das Landschaftsarchitekturbüro zur Überarbeitung des Entwurfs weitergegeben werden.

Alle Angaben vorbehaltlich von Planungsänderungen W. Daiber 23.8.2010
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