Sitzung des Stellinger Bürgerkomitees am 16.3.2015, Bericht

Bericht über die Sitzung des Stellinger Bürgerkomitees am 16.3.2015

Zur Sitzung des Stellinger Bürgerkomitees sind wieder etliche Stellinger Bürger gekommen, die sich über den A7 Ausbau informieren wollten und eigene Fragen dazu stellen wollten. Als Gäste von der DEGES sind der Bauleiter Bernd Hoffmann und der Baubevollmächtigte Christian Rohde zum Stellinger Bürgerkomitee gekommen. Sie beantworteten ausführlich und kompetent alle gestellten Fragen. Bauleiter Bernd Hoffmann ist für die Ingenieurbauwerke zuständig, das heißt für die Brücken, Tunnel und andere Bauwerke. Der Baubevollmächtigte Christian Rohde ist für alles zuständig, was mit dem Verkehr auf der Autobahn, den Baustellen und bei möglichen Ausweichstrecken zu tun hat. Damit sind sie für den aktuellen Bauablauf die richtigen Ansprechpartner.

Sie hielten einen kleinen Vortrag über den A7-Ausbau, den aktuellen Stand der Arbeiten die Langenfelder Brücke und die nächsten Schritte für das kommende Jahr. Die Stellinger erfuhren dadurch aus erster Hand das Geschehen in Stellingen:

Die Langenfelder Brücke

Der Abriss der Langenfelder Brücke über den Rangiergleisen ist abgeschlossen und auch das südliche Brückenwiderlager ist fertig betoniert. Die Stahlträger des neuen Überbaus sind ebenfalls schon alle gefertigt, liegen aber noch in den Fertigungshallen des Herstellers. Zur Sicherheit gibt es dort die Werkskontrollen. Danach findet eine Fremdkontrolle statt. Nach Anlieferung auf der Baustelle wird alles auf Transportschäden überprüft. Beim Bau findet eine Bauüberwachung statt, die nach der Montage durch eine Endkontrolle ergänzt wird. Nach der Endmontage und dem Einschub über die Straßen und Gleise wird nochmals alles kontrolliert. Wenn bei allen Prüfungen und Kontrollen keine Beanstandungen aufgetreten sind, wird der Rest des Überbaus wie die eigentliche Autobahn und die Lärmschutzwände gebaut.
Der nördliche Teil der Brücke über den S-Bahn- und Fernbahngleisen ist schon angehoben worden. Die letzten Arbeiten zum Herausschieben werden gerade an den Hilfsstützen erledigt. Die nächste Sperrpause der Bahn ist in der Nacht vom 7. auf den 8. April, in der mit dem Herausschieben des nördlichen Brückenteils nach Norden begonnen wird. Der Platz neben dem Rohlfsweg ist für den Abbruch der herausgeschobenen Brücke schon bereit. Am südlichen Ende des abzureißenden Brückenteils wurde ein so genanter Nachlaufschnabel angebaut. Er stützt den letzten überhängenden Teil der Brücke. Ohne Unterstützung würde das frei hängende Ende sonst durch das große Eigengewicht abbrechen und herunterfallen.
Der restliche Teil der Brücke wiegt ca. 12.500 Tonnen. Alles zusammen müssen die Hilfsstützen beim Herausschieben aber rund 23.000 Tonnen Gewicht tragen. Alles, der Abbruch und der Neubau wird ständig überwacht, aufeinander abgestimmt, die Statik wird überprüft und wenn nötig neu berechnet. Das ist notwendig, weil die Belastungen der einzelnen Stützen beim Heraus- oder Einschieben teilweise einer anderen Belastung ausgesetzt sind, als bei der fertigen Brücke. Bei der fertigen Brücke ist das Gewicht gleichmäßig verteilt, beim Bau treten zeitweise einseitige Überbelastungen auf, die die Hilfsstützen aushalten müssen. Trotz der in der Presse veröffentlichten Verzögerung beim Ausschub ist der gesamte Brückenbau im Zeitplan der DEGES.
Im früher angekündigten Bauablauf oder den veröffentlichten DEGES-Animationen wurde die Brücke über dem Rohlfsweg abgerissen. Um einen dauerhaften Fußgängerweg unter der Brücke zu gewährleisten, wurde in der Ausführungsplanung der Abbruch neben den Rohlfsweg verschoben. Genauso sind einige andere Abläufe anders als früher veröffentlicht. Man sollte sich deshalb laufend über den Stand und die Abfolge der Arbeiten informieren, um mögliche Änderungen zu erfahren.

Der Stellinger Deckel

Da für den Stellinger Deckel noch kein Baurecht besteht und viel von der Ausführungsplanung abhängt, kann darüber nichts Abschließendes gesagt werden. Erst wenn die beim Leipziger Oberverwaltungsgericht anstehenden Klagen entschieden oder zurückgenommen werden, kann eine europaweite Ausschreibung der Bauarbeiten für den Tunnel in Stellingen erfolgen. Diese Ausschreibung läuft in der Regel ein halbes Jahr. Danach könnte der Tunnelbau beginnen. Alles in der Presse veröffentlichte dazu sind Gerüchte oder Meinungen, wie z.B. die Tunnelsicherheit, die Einigung mit den Klägern oder anderes.
Über Forderungen nach einer automatischen Löschanlage sind keine neuen Gutachten oder Untersuchungen bekannt, die eine solche notwendig machen würden. Die Planungen entsprechen den Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT). Wenn eine entsprechende Anlage trotzdem politisch gewollt würde, müsste Hamburg dies beschließen und bezahlen. Dafür müsste der Stellinger Tunnel für zusätzliche gebrauchte Räume überplant und neu planfestgestellt werden. Der Tunnel würde dadurch noch weiter über die Umgebung hinausragen, teurer werden und sich verzögern. Bei einem anderen Tunnel, bei dem das in der Vergangenheit gewünscht wurde, hatte sich die Fertigstellung um rund 4 Jahre verzögert und zusätzliche 70 Mill. Euro gekostet. Nur die Auftraggeber im Bund oder in Hamburg können etwas über Änderungen oder zusätzliche Wünsche mitteilen. Im übrigen sollte sich jeder den Planfeststellungsbeschluss genau durchlesen, da darin viele Fragen beantwortet sind. (Anm.: Tunnelsicherheit im Planfeststellungsbeschluss Seite 82 bis 89 unter Ziffer 3.12 und Seite 389 bis 396 unter Ziffer 3.18.2.19)

Die Brücke der Straße Niendorfer Gehege

Die Vorbereitungen zum Neubau der Brücke Niendorfer Gehege haben schon begonnen. Vor Ort wurden alle Bäume und sonstiger Bewuchs entfernt. Der Bau selbst beginnt Mitte 2015 und soll bis März 2016 abgeschlossen werden. Der Verkehr wird durch den Neubau fast nicht behindert, da der Neubau nördlich der bestehenden Brücke stattfindet. Erst beim Umschwenken der Fahrbahn auf die neue Brücke wird es kurzfristige Sperrungen geben.

Die A7 Baustellen

Innerhalb der Baustellen auf der A7 sind genau so viele Fahrstreifen vorhanden, wie auf dem Rest der Autobahn. Wegen der etwas breiteren Fahrstreifen als sonst auf Baustellen üblich und der Geschwindigkeitsbegrenzung ist es seit Beginn der Bauarbeiten erst einmal zu baustellenbedingten Staus gekommen. Alle Staus seit Beginn der Bauarbeiten haben ihre Ursache wie vorher durch zu starkes Verkehrsaufkommen oder Unfälle durch Fahrfehler, nicht wegen der Baustellen. Ebenso liegen keine Seitenspiegel am Rande der Baustelle. Bei den sonst schmaleren Fahrstreifen innerhalb von Autobahnbaustellen werden öfters die Fahrzeugbreiten unterschätzt und die Seitenspiegel stoßen gegen Absperrungen oder andere Fahrzeuge (beim Ausbau der A1 Hamburg – Bremen geschehen).
Die Fahrbahnmarkierungen innerhalb der Baustellen leiden öfters durch den starken Verkehr und müssen erneuert werden. Die gelben Klebestreifen halten nur eine begrenzte Zeit. Dauerhaftere Streifen sind nicht angebracht, da sie wegen der während der Bauzeit sich ändernden Verkehrsführung angepasst werden müssen. Dauerhaftere Streifen hinterlassen Spuren, dass die ganze Fahrbahndecke erneuert werden müsste. Das hätte erhebliche Kosten und zusätzliche Verkehrsbehinderungen zur Folge, weil dafür Vollsperrungen notwendig würden.

Allgemeine Fragen

Im Übrigen gab es Fragen von Bürgern zu einzelnen Sachverhalten der Baustelle und dem Bauablauf, die von den DEGES Vertretern beantwortet wurden. Auf Gerüchte oder zu weit in der Zukunft liegende Arbeiten konnten verständlicherweise keine Antworten gegeben werden. Die DEGES Vertreter betonten, dass sie auf konkrete Sachverhalte Auskunft geben und auf unvorhersehbare Ereignisse schnellstmöglich reagieren werden. So geschehen beim Fußweg neben dem Rohlfsweg unter der Langenfelder Brücke. Der Fußweg war zuerst mit einer festen Kiesschicht ausgeführt. Da es Probleme für einige gehbehinderte Anwohner mit Rollatoren oder für Fahrradfahrer gab, wurde der Fußweg nach bekannt werden der Probleme umgehend asphaltiert.
Im übrigen herrscht bei allen Bauarbeiten auch zukünftig der Grundsatz: Es darf kein Schaden an Personen oder an Bauten entstehen!
Vor den Bauarbeiten werden betroffene Anwohner über die anstehenden Arbeiten unterrichtet. Von einem bautechnischen Berater wird festgelegt, wo Erschütterungen gemessen werden müssen. Wenn ein vorher festgelegter Warnwert überschritten wird, müssen weitere Prüfungen die Sicherheit von Gebäuden sicherstellen. Um unvorhersehbare Risiken auszuschließen, wird bis auf 50 Meter vom Baufeld entfernt von der DEGES und den Baufirmen eine Beweissicherung durchgeführt. Damit können mögliche Schäden schnell erkannt, verhindert oder behoben werden. Wer sich nicht nur auf Schlagzeilen, Zeitungsberichte oder Gerüchte verlassen will, sondern auf konkrete Fakten wert legt oder persönlich Probleme im Zusammenhang mit dem A7 Ausbau hat, kann in die Bürgersprechstunde der DEGES kommen. Es gibt sie alle 14 Tage im Baubüro, Lederstraße 72, nahe dem Stellinger S-Bahnhof. Die Termine werden regelmäßig auf der offiziellen Internetseite zum A7-Ausbau www.hamburg.de/a7-deckel/termine/ oder neues-stellingen.de/termine veröffentlicht.

Neue Termine

Für den Schnelsener Bauabschnitt des A7 Ausbaus veranstaltet die Projektgesellschaft Via Solutions Nord am 31. März um 18:00 Uhr eine zusätzliche Informationsveranstaltung im Freizeitzentrum Schnelsen, Wählingsallee 46, 22459 Hamburg.
Die nächste Sitzung des Stellinger Bürgerkomitees findet am 15. Juni um 19:00 Uhr wieder in der TSV-Gaststätte im Sportplatzring, statt. Tagesordnung oder Gäste sind noch nicht bekannt.

Share