Radikalfeminismus und Transsexualität

Der Radikalfeminismus ist eine strukturorientierte Gesellschaftsanalyse auf historisch-materialistischer Basis. Zweck dieser Analyse ist radikale Patriarchatskritik, aus der politisches Handeln entstehen soll.

Mädchen und Frauen sind weltweit aufgrund ihrer Geschlechtsorgane von sexueller Gewalt betroffen. Diese Gewalt wird überwiegend von Männern ausgeübt. Die Herrschaft der Männer wird durch Macht über weibliche Körper durchgesetzt. Patriarchale Unterdrückungsmechanismen sind gekoppelt an Geschlechtsorgane, damit an die Biologie von Menschen.

Das Patriarchat hat über die Biologie des Körpers hinaus, zum Zwecke der Machtausübung, ein Interesse daran, zu bestimmen was Geschlecht ist. Deshalb weist das Patriarchat Geschlechterrollen und Stereotypen zu. Gefühle, Hobbys und Vorlieben sind patriarchal konstruiert. Kinder werden von der Geburt an mit patriarchalen und damit sexistischen Denkmustern sozialisiert(1). Diese Diskriminierung ist ein toxisches und wirkmächtiges Konstrukt, das Frauen in die Machtstrukturen des Patriarchats zwingt. Es sei deshalb ein sehr signifikanter Unterschied, ob jemand männlich oder weiblich sozialisiert wurde.

Geschlecht ist aus radikalfeministischer Sicht an die Biologie der Geschlechtsorgane gekoppelt, an Sozialisation und an kulturelle Konstruktionen. Geschlecht habe keinen zugrundeliegenden und unveränderbaren Kern, es sei deshalb nicht essenziell.

Die Kritik an Transsexualität(2) ist vor allem eine Kritik am vorherrschenden Identitätsmodell. Nach diesem Modell weicht ein „Identitätsgeschlecht“ von dem „biologischen“ Geschlecht des Körpers ab. Das Identitätsgeschlecht entwickelt sich im Laufe des Lebens und ist unveränderbar.

Da aus radikalfeministischer Sicht Geschlecht ein patriarchales Machtinstrument ist, werden patriarchale gesellschaftliche Konzepte, Stereotypen und Geschlechterrollen zu einer „Geschlechtsidentität“ gemacht. Damit erfolge eine Festschreibung des gesamten toxischen Gender-Systems. Transsexualität könne es nur wegen der patriarchal konstruierten Geschlechtunterscheidung geben und deshalb gäbe es sie eigentlich nicht. Nicht „der Körper“ sei das Problem, sondern die Gesellschaft um diesen Körper herum. Deswegen lehnen Radikalfeministinnen Hormongabe und Operationen ab.

Innerhalb des Radikalfeminismus gibt es Auffassungen, die Organen ein Geschlecht zuweisen und zwar auf der dichotomen Basis von Frau und Mann(3). Eine Frau wäre demnach ein Mensch mit weiblichen Geschlechtsorganen und ein Mann ein Mensch mit männlichen Geschlechtsorganen. Die Gruppe Frau würde durch die Gebärfähigkeit definiert.

Eine gute, leider ableistische(4) Quelle für Transmisogynie(5) sind die Störenfriedas. Hier ist beispielhaft nachzuvollziehen, wer und wie argumentiert wird.

Anmerkungen:

  1. Mädchen und Jungen werden gleichermaßen patriachal sozialisiert. Mit nachteiligen Folgen für alle Geschlechter.
  2. Es bleibt unerklärt, warum der öffentliche Radikalfeminismus mit solch enormer Energie Transsexuelle und Sexarbeiter*innen angreift und den Akzeptanzansatz so konsequent verwirft. Die Raumfrage orientiert sich allein an Cis-Privilegien und repliziert patriarchale Strukturen.
  3. Organe haben kein Geschlecht. Das macht die Theorie inkonsistent, wenn Geschlecht nicht essenziell sein soll.
  4. Ableismus: Diskriminierung gegenüber Menschen, denen körperliche Einschränkungen zugeschrieben werden
  5. Misogynie: Frauenfeindlichkeit

Aus der Fortbildung „Geschlecht – was ist das?“ mit Daniel Schiano.