Lieber N.

Du hast im Rahmen Deiner Arbeit immer deutlich gemacht, dass der Gebrauch von Drogen mit repressiven Mittel nicht zu kontrollieren oder einzudämmen ist. Das belegen die Zahlen: ca. 28.000 Konsumenten haben in den letzten 30 Tagen in Hamburg illegale Drogen eingenommen, dazu kommen 46.000 Cannabis User.

Es gibt einige Schätzungen über Kosten, die der Umgang mit Konsumenten illegaler Suchtstoffe jedes Jahr in Hamburg verursacht:
66 Millionen EUR durch die Prohibition, für die repressive Bekämpfung durch Polizei und Justiz,
34 Millionen EUR für die medikamentöse Substitution,
und 18 Millionen EUR für die Suchtkrankenhilfe.

Du hast frühzeitig erkannt, dass der weltweite Kampf gegen den Handel mit illegalen Drogen verloren ist: in den drogenproduzierenden Staaten eskaliert die Gewalt gegen das Militär, gegen die Zivilbevölkerung. Es gibt eine Enthemmung gegenüber Menschlichkeit und Demokratie. Die Drogenökonomie führt in eine Abwärtsspirale von Armut, Unsicherheit, Korruption und Gewalt.

Und Du hast von Anfang an verstanden, dass all dies nur von uns, hier in Deutschland, beendet werden kann und zwar durch eine Entkriminalisierung der Drogenkonsumentinnen. Zu wissen, dass die Lösung auf der Hand liegt, sie aber gesellschaftlich nicht umgesetzt zu bekommen, macht es für uns bitter, Dich jetzt ziehen zu lassen.

Du hast Dich mit besonderem, persönlichem Engagement, einschließlich des Risikos, ins Gefängnis gehen zu müssen, für die akzeptierende Suchtarbeit in Hamburg und in ganz Deutschland eingesetzt. In Buchveröffentlichungen, zahlreichen Artikeln und einer engagierten Öffentlichkeitsarbeit hast Du das Thema erfolgreich bewegt.

Wir haben schwere Zeiten erlebt, wie die Schließung einer Deiner Einrichtungen, eine zentrale und politisch wichtige Einrichtung und eine Schande für den rechtspopulistischen Senat. Die Folgen für die MitarbeiterInnen zu erleben war für Dich besonders bitter, weil ich kaum einen Menschen kennengelernt habe, der sich so für Gerechtigkeit in Bezug auf die Arbeitsplätze eingesetzt hat.

Ich habe einen politischen, kraftvollen, freundlichen und humorvollen Menschen kennengelernt. Du hast durch Deine Arbeit 1000den von Menschen das Leben gerettet, Du hast der Drogenpolitik in Hamburg ein humanes Gesicht gegeben und warst uns allen in der Lösung des Drogenproblems einen großen Schritt voraus.